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Versuch einer auf Thatsachen gegründeten und freimüthigen Charakteristik der Kaiser und Könige Deutschlands / von Dr. Johann Georg Leuchs
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zu können. Aber scheinheilig wie Otto der Erste, scheinter nicht gewesen zu seyn. Die Geistlichen beschäftigtenüberall mehr seine Aufmerksamkeit als die Laien, daherfand er in Deutschland und Italien, nebst der Sorge fürsein Steckenpferd, fast nichts anders zu thun, als in denKlöstern herumzureißen, und solche zu reformiren. Ermachte hauptsächlich deswegen eine Reise nach Polen, umdas Grab des Bischofs Mberts zu besuchen, und eine an»Lere nach Achen, um die Ueberreste Karls des Ersten zusehen, von welchem man ihm gesagt hatte, daß er eben sofromm als groß gewesen sey. Deswegen behielt er Karlsgoldenes Kreuz für sich, und vertauschte den goldenenStuhl, worauf dessen Körper ruhele, an den pvhlnischenHerzog, um einen Arm jenes Alberts.

Seine Vorliebe gegen alles was römisch und griechischwar, und seine Geringschätzung deutscher Ehrlichkeit undSitten, mußte nothwendig die Gemüther seiner Landsleurenoch mehr von ihm entfernen, als sie es zuvor schon durchden Umstand gewesen waren, daß er von einer griechischenMutter abstammte. Wie wenig er bei ihnen beliebt war,kann man schon daraus abnehmen, daß sie ihn fast nie an-ders als den Griechen nannten. Dieser Name deutete da-mals den höchsten Grad der Verachtung in Deutschland an.Was konnten sich aber auch die Deutschen für eine Rech««ung von ihrem Oberhaupt machen, welches in allemErnste darauf ausgieng, seine Residenz aus Deutschland«ach Italien zu verlegen, und dadurch Deutschland gleich-sam zu einer römischen Provinz umzuwandeln? Wie konn-ten sie da wohl Liebe zu ihm haben, da er ihre Offenher-zig-

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