Buch 
Versuch einer auf Thatsachen gegründeten und freimüthigen Charakteristik der Kaiser und Könige Deutschlands / von Dr. Johann Georg Leuchs
Entstehung
JPEG-Download
 

Heinrich siichte also bloß Befriedigung seines Stol-zes , und diese glaubte er darinnen gefunden zu haben.Lag er mit Deutschland vereinter Macht, das Schreckender auswärtigen Feinde, und die Geisel einzelner Großendes Reichs war. Daß Heinrich vollkommen der Manndazu war, kann niemand langnen, und daß er seine Ab-sicht wirklich erreicht habe, ist eben so gewiß. Der Pabstzitterte auf seinem Throne, wenn dieses .Kaisers schreck-liches Auge dem pabstlichen Legat Zorn drohete. DieFürsten und Prälaten Deutschlands zitterten, und ihnenwar bange wie dem Pabst, vor der Absetzung, wenn siesich unwürdig ihres Amts fanden , eine Klage wider siebei dem Kaiser eingelaufen war, oder sie sonst dem kai-serlichen Ansehen zu nahe getreten waren. Die Wegla-gerer und Fehdelustigen Ritter zitterten bei seinem Namen,wenn er ihnen zum erstenmale Friede gebieten ließ; daszweitem«! gieng es ihnen zu Haut und Haar, das ist, sie kawen noch mit einer gelinden Züchtigung davon; das dn'ttemazitterten und lagen ihre Besten im Schutt, «nd die Besitzerselbst büßten zu Hals oder Hand, das ist,sie hiengen gewöhnlich an Bäumen (*) Nur das gemeine Volk zitterte

nicht.

(*) Straft zu Haut und Haar, und Straft zu Halsund Hand sehr gewöhnliche Ausdrücke in denSpiegeln und Weichbilden, das ist in den Land-und Sradtrechten des deutschen Mittclalters. Dieerstere war die Benennung der Leibesstrafe; die letz-tere die Benennung der Todesstrafe.