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Briefe an einen jungen Prinzen von einem alten Manne : in zweenen Bänden / aus dem Schwedischen übersetzet von J.D. Reichenbach.
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Z47

an einen gesetztem Prinzen.

genstände ersticken: wofern ein Landesherr sich derSacken nicht selbst annimmt. Sein Schutz, seinGesthmack und sein Bentel beleben, erquicken undunterhalten alles, was zur Aufnahme der Künste ge-reichen kann, und des Königes Belohnung ist, daßihm dieses und alles andere Gute, was unter seinerRegierung geschieht, zugeschrieben wird. Der Kö-nig Ludwig der XiVte befahl, Colbert gehorchete:und also bedarf man nur einen August und einenMacenas, den freyen Künsten eine Freystadt zuerbauen. Unsere an Alter und Wesen verehrens-würdige Königinn Hedwig Eleonova , hat sich un-ter andern dadurch einen unsterblichen Ruhm erwor-ben, daß Sie die Künste begnadigte, die Ordnungliebele und ihr Leibgedinge zierete. -

Von den königlichen Pallasten zu geringererLeute Häusern herunter zu steigen, wäre vielleichtoft eben so viel, als von der Verdrießlichkeit zumVergnügen zu gehen, indem selbige nicht in Pracht,sondern in Tugend, Stille und Ruhe besteht. Obzwar Schwedens Einwohner nöthigere Sachen ab-zuwarten haben; und ob die Nahrung gleich vor derBequemlichkeit hergehen muß: so zeiget die zuneh-mende Schönheit der Hauptstadt doch, daß manchervielleicht über sein Vermögen bauet, und daß die alteübele Gewohnheit noch stets hervorkeimet, daß keiner

gern