Die Schlüfcrin ließ sich fürwahr nicht träumen.Welch wilder Sippschaft sie den Weg verlegte.
Fest lag die Wimper mit den schwarzen Säumen,Kaum daß den Mund einmal ein Seufzer regte,Wenn sich der Wind, erwachend in den Bäumen,Mit schwülem Hauch um ihre Brust bewegte.
Den bloßen Armen, die ihr Haupt umfingen,
War viel zu wohl, zn lösen ihre Schlingen.
Das Angesicht war frei; nur daß sich eineDer dunkeln Flechten um die Stirn verschoben.
Die Wangen schimmerten in Jugendreine,
Die zarte Brust war mädchenhaft gehoben.
Von so viel Adel, Herbigkeit und FeineWar diese selige Gestalt nmwoben,
Daß auch ein größrer Kenner als CimoneSie nennen mußte: des Geschlechtes Krone.
Und er nun gar, mein armer, dummer Junge,Sonst allen Weibern blind vorbcigcrannt,
Er wär' auch jetzt vorbei mit einem Sprunge,
Doch hält ein Zauber seinen Fuß gebannt.
So steht er vor ihr, wie mit blöder ZungeDer erste Mensch vorn: ersten Weibe stand.
Da aber brach Gott Vater selbst das Schweigen;Und hier -— will denn kein Gott sich gnädig zeigen
O hcil'gcS Wunder! uralt ist die Welt,
Und dennoch steht am Anfang aller DingeDas Herz, in das ein Strahl der Schönheit fällt.Als ob dich eine Schöpfung neu umfinge,