Henrik Ibsen,
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Aus diesen Köpfen, diesen Händen,
I Soll einst ein Ganzes sich vollenden,
' Das Gotteswerk, ein Mann voll Mark,
Der neue Adam, jung und stark.“
Darum muss „Alles oder Nichts“ Brand’s scheinbar sounmenschliches Loosungswort werden. Darum ist ihm „derGeist des Accordes“ im Augenblick des Todes nichts an-deres als eine Versucherin, die seinen kleinen Finger for-dert, um sich der ganzen Hand zu bemächtigen; und darumkehrt der Geist des Accordes in „Peer Gynt“ wieder als„der Krumme“, das heisst, all’ das Feige, Geschmeidige imMenschen, das ab- und umbiegt:
„Schlag’ dich!
So dumm ist der Krumme nicht!
Er schlägt sich niemals.
Kämpfe, du Wicht!“
„Der Krumme sucht nicht ein Schwert voll Scharten.
Der grosse Krumme siegt durch Warten.“
Das Geschlecht loszureissen aus der erdrosselnden Um-armung des „Krummen“, den Geist des Accordes zu fan-gen, in einen Schrein zu zwängen, diesen zu versiegeln undin’s Meer zu versenken, wo es am tiefsten — dies ist dasZiel, welches Ibsen als Dichter vor Augen hat. Und diesLosreissen des Einzelnen von dem Accord und dem „Krum-men“, das ist seine Revolution.
Ich fragte Ibsen einmal: „Ist unter allen dänischenDichtern ein einziger, um welchen Sie sich auf Ihrer jetzi-gen Entwickelungsstufe etwas kümmern?“ Er antwortete,nachdem er mich eine Zeit lang vergeblich hatte rathenlassen: „Auf Seeland war ja einmal ein alter Mann, der imBauernkittel hinter seinem Pfluge herging, und auf Welt undMenschen sehr böse zu sprechen geworden war, den magich ganz gut leiden.“ — Es ist bezeichnend, dass Bredahlderjenige dänische Dichter ist, welcher Ibsen’s Herzen am
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