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Johann Christoph Stockhausens Sammlung vermischter Briefe
Entstehung
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den Gefühl des Herzens. Allein ich weiß nicht,ob das Ungewöhnliche der Veröart, oder die Be-gierde zu lesen, welche die Aufmerksamkeit oftflüchtig macht, oder der weggelassene Reim,Schuld daran war, daß ich die Schönheiten desGedichts beym ersten Durchlesen nicht ganz em-pfand: So viel weiß ich, daß es mir jemehr ge-fällt, je länger ich es lese. Das Gedicht bleibtfür mich unerschöpflich, und wenn es wahr ist,daß die Gewohnheit die Empfindungen mindert,so leydet es hier eine Ausnahme. Eine Stelle,die mich zehenmal gerühret hat, läßt mich nichtkalt, wenn ich sie zum eilftenmal lese, und jemehr ich mich bemühe dem Dichter nachzuden-ken, desto erhabner, desto neuer, desto rühren-der wird er für mich: Er führet mich zu einerHöhe der Gedanken, zu der ich meine Sele nie-mals für fähig hielt. Allzeit prächtig, allzeitfühlbar, nimmt er meine ganze Sele ein, undläßt nicht das geringste Leere darum übrig, wennich sein Lied in stiller Entzückung lese. Wieneu, wie unvergleichlich find nicht alle seineGleichnisse und Bilder ? Sie werden kein ein-ziges verbrauchtes bey ihm antreffen. Oft, wenner in mein Temperament denket, (verzeihen Sie

mir