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er, daß ich etwas zu ihrem Streite über denMeßiaö sagen darf: Unverständlich kömmt mirdas Gedicht eben nicht vor, aber man muß sichsehr viel Mühe geben, es zu verstehen. Esgreift die Sele zu stark an, als daß man nurdrey Blatter hintereinander weglesen könnte: DerDichter hat zu metaphysisch gedacht, und ermacht mich schwermüthig, wenn ich mich langeMit ihm beschäftige; ein Poet muß zur Ergez-zung gelesen werden, und daher darf er nichttiefsinnig seyn. Es ist wahr, ich finde Schön-heiten , recht große Schönheiten in dem Gedich-te, aber ich muß diese Empfindung erst durchscharfes Nachsinnen verdienen, da ich sie beyandern Dichtern um einen leichteren Preis habenkann. Darum bin ich mit Herrn LorenzoeinS, daß mir sein gutes Glaß Wein angeneh-mer ist; und wenn ich auch auf meiner Seite ei-nige Poeten nennen soll, die ich über alles schäz-ze, so ziehe ich Rosts Schafcrerzählungen,oder Gleims Lieder beständig dem Heldengedich-te vor, und ich möchte allemal lieber eine einzigeFabel des Gelleres gemacht haben, als derVersaster der Meßiade seyn. Er hatte kaumso entscheidend gesprochen, als er ein Glaß
nahm.