Buch 
Johann Christoph Stockhausens Sammlung vermischter Briefe
Entstehung
Seite
203
JPEG-Download
 

roz

sehung einiger Personen wahr prophezeyen. Las-sen Sie uns also sagen, mein Herr, daß diebest vermischte Materie, die vollkommenste Ge-stalt , dem Ansehen nach, und die am richtig-sten getroffene Gleichheiten, nicht allemal auch denvollkommensten Charakter hervorbringen. Wieviele Ungeheuer giebt es nicht unter den ange-nehmsten Gestalten? Wie viele reizende Cha-raktere sind nicht unter den heßlichsten Gestalten?Wir müßen also weder aus die Schönheit nochauf die Vollkommenheit des Körpers bauen,wann wir von dem Geiste urtheilen wollen.Wer sollte nicht jemals vollkommen schöne Ge-sichter gesehen haben, die nichts sagten, unddie in der Lange nicht verführten, weil sie einem««beseelten Bilde allzuähnlich waren: Indeßdaß es hundert andere giebt, die man für heßlichgehalten, und die uns nach einer näheren Prü-fung reizend scheinen, so wie sie wirklich reizen;.weil sie lebendig sind, und weil die Sele gleich-sam herausdringet, um sie schöner zu machen,und durch die Lebhaftigkeit, die sie ihnen giebt,die Fehler auszutilgen, welche die Materie dagelassen hatte? Ganz Paris hat ehemals gese-hen , daß eine kleine und heßliche Actrice in der

Oper