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Johann Christoph Stockhausens Sammlung vermischter Briefe
Entstehung
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233
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leben müssen, wie ich. Die eurigen werde ichtäglich bey mir tragen; ich werde sie unaufhörlichküssen; allein ich will nicht, daß sie euch Müheverursachen. Schreibet mir nur ohne Kunst,mit Nachläßigkeit, lasset euer Herz mit mir reden,und nicht euren Wiß. Ich kann nicht längerleben, wenn ihr mich nicht eurer Liebe versichert.Diese Sprache muß euch schon so gewöhnlichseyn, daß ich nicht glaube, daß ihr eine anderegegen mich führen könnet. Zudem, so ist essehr billig, daß ihr durch ein neues Zeichen eu-rer Liebe die Wunden wieder heilet, die ihr mirdurch die Erzählung eures Unglücks wieder er-öfnet. Ich sage euch dieses nicht, um euch dasunschuldige Kunststück zu verweisen, dessen ihreuch zum Troste eures Freundes bedienet, indemihr ein Elend mit einem größeren in Vergleichunggestellet habt. Das Mitleyden ist sinnreich;und ich lobe euch deßwegen; allein ihr seyd mirnoch etwas mehr schuldig als eurem Freunde.Man nennt uns eure Schwestern, und wir ge-ben uns den Nahmen eurer Töchter; und wenndie Natur noch zärtlichere Benennungen hätte,so würden wir uns deren bedienen, um euchdasjenige zu bezeugen, was wir euch sind, und> P 5 euch