Band 
Zweiter Theil.
Seite
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i6r Schreiben der Schneider

gebrauchet werden sollte. Allein dieser Vorbehalt machtdas Uebel nur noch arger; denn wenn man dem Handwer-ke auch diesen Theil der Ehre nimmt: so wird es geradenoch schlimmer werden. Mau mache für den Militairstanddas Gesetz, daß keiner von den Gemeinen jemals Ofsiciccwerden solle; man gebe weiter und lasse keinen Officier eini-ge Zeit als Gemeinen dienen; und bringe denn Leute ausden Zucht - und Werkhäusern unter die Fahne: so wird manbald sehen, was daraus für eine Rotte werden wird.

Ueberhaupt weis ich nicht was unsre Gesetzgeber mit derUnehre sagen wollen. Die Fürsten sind ohne Ehre des Kay-scrs, die Grafen ohne Ehre der Fürsten, die Edlen »hneEhre der Grafen, die gemeinen Barmalisten ohne Ehreder Edlen, und die Armen, in dem Verstände der Reichs-gesetze, ohne Ehre der Gemeinen. Muß nun «in jeder die-se Unehre tragen, und erfordert das Wohl des Staats,daß jener Unterschied sorgfältig beybehalten werde, warumsoll er den» eben bey der größten und nützlichsten Classeder Menschen hintangesetzet werden? Warumsoll derTroßimLager und der ganze Schwärm von Juden und Marke»tcntern einerley Ehre mit dem Soldaten haben ? Unsre Vor-fahren rechneten die Schäfer rc. unter die Marketenter, unddarinn besteht dieser ihre ganze Unehrlichkeit, nicht aber inder Schande, zwey Begriffe, welche wir zu unsern Zeitenganz verwechselt haben.

Ich gebe es zu, daß die Menschenliebe, ein Wort dasin meiner Jugend gar nicht bekannt war, alle Menschenzu Brüdern mache, und die christliche Religion diese Liebeheilige. Aber wenn Könige und Bettler vor dem ThroneGottes einerley Staub sind, und in der Erde von einerleyWürmern brüderlich gefressen werden: so gilt doch von dem-jenigen was vor dem Throne des allmächtigen Schöpfers

vorgeht,