222 Schreiben eines reisenden Franzosen
ohne zu schaudern nicht ansehen kann. Dafür ist es bierdenn doch noch gülden, da ist noch Tugend so schön wieButter :l guarre coulcurs.
Eure Mannthicre sind aber in ihrer Art fast noch lä-cherlicher. Diejenigen, so bey uns das Land regieren, ha-ben ibrc Hauscanzleyen, welchen sie einmal für alle sagen:zugestanden, was Geld einbringt, und alles übrige abge-schlagen. Die Ausfertigungen gehen demnächst ihrenGang, und es braucht keines weiter» Vertrags. DerStaat ist da das Generalhospital; wenn der Arzt nur ein-mal gesagt hat: Zur Rechten Ader gelassen, zur Linken ab-geführt: so wissen die Handlanger mehr als zu viel. Waswürde es auch für eine erschreckliche Arbeit seyn, alle Krank-heiten z» untersuchen oder alle Sachen selbst einzusehen, undso wie euer Herr M . . . thut, bey jedem I>r und Nein,was er auf die eingekommenen Vorstellungen setzt, mit ei-nem Buchstaben noch besonders zu bemerken, ob daS Neinpiano, anciant!:, ancianrino, §rave, korre, piacevole, r;ra-riolo, oder lloLearo, und allabreve ertheilet werden soll?
In eurem Lande hingegen arbeiteten dergleichen Herrnoft für einen armen Baurcn, als wenn des ganzen LandesWohlfahrt daran läge, ob ein Hundert dergleichen Kraut-köpfe mehr oder weniger in der Welt waren; die edlenAbendstunden, die in der ganzen vernünftigen Welt derFreude heilig sind, werden nicht einmal der Arbeit entzogen,und um zu ihnen zu kommen, braucht man so wenig denSchweizer als den Kammerdiener zu bestechen. Euer gan;crAdel braucht nicht so viel wohlriechende Wasser, als ichfür meine Person allein, und dünkt sich groß ohne auchnur einmal von weitem gesehen zu haben, wie unser König
sein