2ZL Der Rath elner guten Tante
welchem Theile wollten Sie diese Abgaben am liebsten ent-richten? Don Ihren Tugenden, oder von Ihren Taubcn-flügcln ? Am liebsten von keinen. Aber wenn es nun nichtanders seyn könnte? . .. Küssen Sie ihrer lieben Tantedie Hand zur Dankbarkeit, so oft Sie sich über den Schnittihres Kleides aufhält, und denn kommen Siezn mir: sowollen wir gemeinschaftlich überlegen, ob wir den Schnittandern wollen oder nicht. Unser eigenes Urtheil soll dieEntscheidung verrichten; wir wollen nicht strenge, aberauch keine solche Kinder seyn, die sich von jedem Thore»am Gangelbändgcn leiten lassen.
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Der Rath einer guten Tante
an ihre junge Niece.
^hc Entschluß ist gefährlich, meine liebe Niece, bey sojungen Jahren allen Frivoliteten abzusagen. Daseinzige, was Sie dadurch gewinnen werden, ist dieses, daßSie die ganze Gesellschaft in Erstaunen setzen; und im Ver-trauen gesagt, die Erstaunten erhole« sich bald von dem er-sten heftigen Anfall, und lassen es hernach insgemein dieje-nige^ entgelten, die ihnen diesen ParoMmus verursacht hat.Es ist auch für ein junges Madgen nicht gut, gar zu sehrin dem Rufe der Weisheit-und Tugend zustehen. DieWeltglaubt doch, sie spiele nur eine Rolle, und das Rollenfpie-zen, wenn es zu früh geschieht, erweckt Nachdenken- Manübertreibt sie insgemein, und nur eine Jtalianerin von 14Jahren ist im Stande, unter der Maske der kindischen Un-schuld, ihre von der schlauen Mutter erlernte Kunst, aufeine glückliche Art iir Uebung zu setzen. Die beste Manier