ganz gegen meine Begriffe streiten sollte. Habe ichjaf nicht mein Glaubensbekenntniß, sondern Her-ders Schriften herauszugebcli! Da sind sie! Siesind Werke eines sterblichen, unvollkommenenMenschen. Man lese und prüfe sie, und jedernehme daraus, was seinen innern Menschen fordert,erleuchtet und bessert, und gehe das andere (alsfür ihn nicht tauglich) ohne Streit und Schimpfgelassen, duldsam rmd weise vorüber *)
Die Werke folgen nicht in chronologischer Ord-nung, sondern sollen, so viel ihre im Ganzen frag-
*) Di« verschiedenen Recensionen seiner Schriften inden kritische» Journale» nachzulesen, sie zu prü-fen, zuwiderlegen, «der die Meinungen des Ver-fassers daraus zu berichtigen (wie ein gelehrterFreund des Seligen wohlmeinend riech) — diesereben so unangenehmen als undankbaren Arbeithatte ich weder Zeit noch Muth mich zu unterzie-hen, um so weniger, da ich nicht Commcnrarorseyn will. Was gut, unparthcyisch und friedliebenddarüber bemerkt worden ist, das hat er selbst(wie einst seine Briefe beweisen werden) dankbarund bescheiden benutzt. Andre Urtheile aber über' frühere und spätere Schriften Herders geben von»Zustande der deutschen Kritik einen so elendenBegriff, daß man sich der Schamrölhe kaum er-wehren kann, daß solche seichte und nebenbei einwenig schmähsüchlige Richter sich über solche Werkedes Genies ein Urtheil anmaaßen, uns bei demnur allzugläubigen deutschen Public» doch nochein geneigtes Gehör finden konnten. Oft wur-den Herders Schriften , besonders die neuern, sehrspät recensirt, und so weniger bekannt,als sie verdienten. Aber unerforschlich ist die Po-litik kritischer Amphyctionen!