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1-2 (1826) Vom Geist der Ebräischen Poesie / J. G. von Herder
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Vorrede.

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ohne Lob und Tadel Lesern solcher Art in die Händespielet. Jeder kann ja auslasten, was ihm nichtgefallt, dazu ist der Inhalt der Gespräche vorge-zeichnet.

Und wenn, wie ich wünsche, unter diesenJünglingen Theologen sind, darf ich sie mit EinemWort besonders anreden? Der Grund der Theolo-gie ist Bibel, und der Grund des N. T. ist dasalte. Unmöglich verstehen wir jenes recht, wennwir dieses nicht verstehen: denn Christenthum istaus dem Judenthum hervorgegangen, der Geniusder Sprache ist in beiderlei Büchern derselbe. Undden Genius der Sprache können wir nie besser, d.i. nie wahrer, tiefer, vielseitiger, angenehmer stu-diren, als in Poesie, und zwar so viel möglich inden ältesten Poesien derselben. Es ist falsch und'verführend, wenn man jungen Theologen das N. T.mit Ausschließung des alten anpreiset; ohne diesesist jenes auf eine gelehrte Weise nicht einmal ver-ständlich. Dazu ist in ihm, dem A. T., eine soreiche Abwechslung von Geschichten, Bildern, Eha-racteren, Scenen: in ihm sehen wir die vielfarbigeDämmerung, der schönen Sonne Aufgang; im N.T. steht sie am höchsten Himmel, und jedermannweiß, welche Tageszeit dem sinnlichen Auge die erqui-ckendste, die stärkcnste ist. Sludire man also das A. L.,auch nur als ein menschliches Buch voll alter Poe-sien, mit Lust und Liebe; so wird uns das Neu«