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Legenden der heiligen Pelagia / herausgegeben von Hermann Usener
Entstehung
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XX

Dieser überblick könnte aucli dem voreingenommenen dieÜberzeugung erwecken, dass es ein und dieselbe göttliche gestaltsei, die in dieser bunten manigfaltigkeit von legenden immervon neuem sich erzeugt. Wie ein abgehauener stamm entsendetedas tief in die Volksseele gesenkte bild, nachdem es in dentempeln umgestürzt war, aus verborgenen wurzeln nach allenseiten frische reiser. Von diesen nachgeborenen Sprösslingendarf man nicht die triebkraft erwarten, die einst den samen-keim zum stattlichen bäum voll entfaltete : sie sind blasser anfärbe, dürftiger an inhalt, aber mit einander verglichen ergän-zen und beleben sie sich gegenseitig.

Der liellenismus der kaiserzeit kennt nur einen begriff,dem wie einer wurzel alle diese legendengebilde entwachsenkonnten : Aphrodite. Es galt das verführerische idealbild buh-lerischer Schönheit aus den herzen der gläubigen zu reissen,und das geschah, indem man es nahm wie es war, aber durchdas läuternde feuer der reue und busse des himmels, dem esangehörte, würdig machte. Lange bevor die sage von derschaumgeborenen entstand, wurde Aphrodite als göttin desmeeres verehrt. Ueberall an den küsten des mittelmeeres, wohinSemiten den fuss gesetzt, ist diese Verehrung heimisch geworden.Allezeit hat das schiffervolk diese patronin hochgehalten, nichtbloss durch gelübde und altaropfer 47 . Athenische schiffe sindvielfach nach ihr benannt worden· 18 ; keinem athenischen Zu-schauer konnte neben der besonderen die allgemeine beziehungentgehen, wenn er den Iason des Euripides sagen hörte:Kypris allein von göttern und menschen verehre ich als dieserSeefahrt retterin (Med. 527). In einer reihe von cultusnamenist diese seite der Aphrodite ausgeprägt: Aigaia bei Statius(Theb. 8, 478), Epipontia nach Hesyehios, Thalassaia bei Nonnos

47 vgl. Plut. gegen Epikurs glückseligkeitslehre 16 p. 1097«νιατών δίκην 'Λφροδίπια αγόντων,

48 in Boeckhs register (urkunden des att. Seewesens 84 ff.)]l ψουύίπίαΛφροδιοιάς l'tvti υλΐίς Κυϋηοία ' Κωλικζ ua.