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Literarische Herzenssachen : Reflexionen und Kritiken / von Ferdinand Kürnberger
Entstehung
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Seit Gründung desHausjörgel" und derTheater-zeitung" hat sich Wien nur im Feuilleton und im Notizen-klatsch zu bespiegeln gewagt; auf der Buhne gehörte es derLocalpvsse." Endlich begriff sich die Weltstadt in einer Bau-Aera, welche leicht ihr perikleisches Zeitalter sein könnte, alseinen höheren Stoff und mit einein Selbstgefühl, das dies-mal am Platze ist, steht sie dem Epos Modell. Das isteine neue, ja' eine neueste Erscheinung in der Entwicklungdieses keirnreichen Gemeinwesens.

Und wie fertig das sociale Wiener-Epos gleich ausdem Vaterhaupte emporsprang! Kein Schauspiel unbeholfenerNeulings-Versuche! Mit gewandtestem Zofenknix tanzen dieVerse Wurzbach's, und Landsteiner's ernsterer Jambus hatdie Sicherheit des vollendeten Weltmannes, dessen durchge-bildeter Schritt weder über angeschnallte Husarensporen nochüber schlotternde Soutanenfalten strauchelt. Jedes Motiv be-wegt sich in seiner eigenthümlichen Gangart mit Meisterschaft.

Ich kann mich nicht enthalten, von der stylgewandten Bild-kraft dieses Dichters ein Paar Vignetten zum Besten zu geben.

Kokette Primadonnen-Bescheidenheit.

Und endlich tritt, bestrahlt von hundert Lampen,

Das holde Mädchen dankend an die Rampen,

So selig lächelnd, wie ein glücklich Kind,

Das bei der Prüfung einen Preis gewinnt.

Sie scheint so überrascht! Zu viel der Ehren!

Als müsse sie sich ihrer fast erwehren,

So zuckt sie mit den Achseln, faltet flehendDie kleinen Hände, schüchtern um sich sehend.

Wie allerliebst! Wer kennt das Urbild nicht und freutsich nicht, wie hübsch der kostbare Schmetterling hier gespießt ist?Ausschnitt aus einer Wiener Pratcrfahrt.

Da zeigt sich gern die Heldin jener Welt,

Die aus gemalter Leinwand sich erbaut.

Den Thoren, die von ihrer Kunst entflammt