LXI.
Vom Nutzen der Hypothesen. *-
An allen Meinungen der Menschen herrscht eineMode, eine mehrentheilS unüberlegte und veränder-liche Gewohnheit, deren ganze Völker folgen, ohneeine Ursache ihres Gehorsams angeben zu können; dieseModen sind eben darum veränderlich, weil sie aufkeine wahren Gründe gcbauct sind. Es ist der Wahr-heit unmittelbares Vorrecht, daß sie ewig bleibt.
Es sind kaum hundert Jahre verflossen, daß inEuropa die Erklärungen der natürlichen Begebenheiten,und die willkürlichen Lehrgebäude, angesehene Vor-züge grosser Gelehrten waren.
Nachdem einmal Rene' Des Cartes auf eine me-chanische Weise die Bildung und den Bau der Welterklärt, und sich die Freyheit genommen hatte, solcheFiguren den kleinsten Theilen der Materien zu geben,und ihnen solche Arten von Bewegung mitzutheilen,wie er sie zu seinen Erklärungen nöthig hatte, so sahganz Europa diese schöpferische Gewalt als ein unzer-trennliches Vorrecht eines Weltweisen an; man bauteWelten, man verfertigte Elementen, Wirbel undSchrauben, und meynke dem gemeinen Besten aus,
n Vorrede zu der deutschen vebersetzung von BüffsnsNaturgeschichte. 4. Hamb. 17; r.