Buch 
Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
Entstehung
JPEG-Download
 

r«4 ——. !

die Zeiten ausmcssen, und den Begebenheiten festeSchranken setzen wollte, wurde er nicht gezwungen,wiükührliche, und gar sehr dem Zweifel unterworfeneMeynungen zum Grunde zu fetzen?

Nach einem Newton wird sich nun wohl niemandschämen, etwas nicht völlig erweisliches zu lehren.Hat ein so guter Kenner das Wahrscheinliche alseine Münze gebraucht, so kann es doch nicht sogarohne Werth seyn. Es ist an dem, es ist eine Noth-münze, es dient blos ein Gewerbe unter den Gelehr-ten zu unterhalten; die Gewißheit ist ein ächtes Gold,dessen Preiß niemals heruntergefezt werden kann; eswürde uns lieb seyn, wenn wir dessen so viel hätten,daß wir die willkührliche Münze entbehren könnten.

Da aber dieses nicht angeht; da wir ohne dieseletztere fast von der ganzen Naturlehre schweigen müß-ten; da alle die Theile der menschlichen Wissenschafteinzelne Bruchstücke ohne Zusammenhang und ohneVerbindung würden; sollten wir nicht diese mangeln-den Theile mit dem Wahrscheinlichen ergänzen, undanstatt eines Schutthaufens ein Gebäude aufrich-ten? Ich bediene mich mit Fleiß dieses Gleichnisses;ich habe Bücher von mathematischen Lehren gesehn,die vorn Bau des menschlichen Leibes geschrieben ha-ben, und die von ihrer Arbeit alles Unerlauterte zupcrbannen sich verbunden zu seyn glaubten; wie un-zureichend, wie abgebrochen, wie allgemein, wie un-bestimmt haben sie reden müssen, um dgs Wahr-scheinliche zu permcidcnl