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Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
Entstehung
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«tndtr mit der gröstcn Freyheit; überall breitet sichder Geschmack zum Tanze, zu Schauspielen, zu Lust-barkeiten aus. In dieser den Vergnügungen so gänz^lich ergebenen Welt ist die reizende Dichtkunst nichtan ihrem Orte, sie die den herrschenden Triebennoch mehr Zunder reicht. Des Menschen Hers wirdohnedem der ernstlichen Arbeiten leicht überdrüssig,und hängt an dem sinnlichen Vergnügen mit natür-lichen Fesseln. Je öfter, je reichlicher er sich in demangenehmen Tränke der Wollust berauscht, je weni-ger Geschmack findet er an den ernsthaften Forderun-gen der Pflichten. August, der kluge Fürst, der dieMenschen vollkommen kannte, August, der keinemGölte seine eignen Lüste aufopferte, fand demwchdie erweichenden Ovidischen Gedichte seinen lüsternenRömern schädlich.

Was soll die Welt werden, wenn der Fürst zuerstin Schauspielen, in Bällen, in ewigen Verladungenund rauschenden Lustbarkeiten seine so enge Zeit ver-schwenden will; wenn der Minister an Pracht, anBuhlschaften, an feyerlichen Mahlzeiten, an allenNothwendigkeiten, die Pracht und Eleganz täglichvermehrt, eben die Zeit anwenden muß, die er fürdas Land verwahren sollte; wenn der allgemeineRausch endlich die Kaufleute, die Bürger, die Ge-lehrten überwältigt, und in einem neuen Sybarisdie Wollust das einzige Geschäfte bleibt,

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