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Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
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Z22

gen heissen, und so lange ihm den Mund stopfen, bises nicht mehr sprechen kann. An Gott ist nicht zugedenken, und daß es kein anderes Leben gebe, isterwiesen; also hat man nichts zu fürchten, als daseinzige Wesen, das unserm Glücke im Wege ist: denHenker vor diesem Richter muß der Philosoph frey-lich sich in Acht nehmen, da er sonst nichts weder überder Erde noch unter derselben scheuet.,»

Wenn der Unglaube so sehr überhand nehmensollte, daß er herrschend würde, so werden unfehlbardieß die ersten Folgen seyn, daß man die allgemeineTheorie in die Uebung brächte. Im Fortgange unsrerBetrachtung werden wir zeigen, daß es schon jctzrgeschiehet, da die Gottesleugner noch unter einemStande des Drucks, und unter Königen stehen, undmit andern Menschen gesellig leben, die einen Gottglauben, und an Mord, Blutschande, Vergiften, undandern sichern Mitteln zu unserm Glücke kein Gefallentragen. Wenn aber ganz Europa diese Lehrsätze wirdangenommen, wenn ein neuer Flamininus öffentlichden Völkern wird bekannt gemacht haben: ,, Ihrseyd frey von dem Gott, den ihr gefürchtet habt,lebet hinfüro nach eurer Wiükühr, was würde danndie Welt für cm Ansehen gewinnen?

Ein jeder lebet nun als ein wahrer Weltweise,sich selber einzig und ohne Theilung. Er siehet allesdasjenige als sein an, was ihn glücklicher machen kann,sobald er nur die Kräfte hat, es zu dem seinigen zu