keit der langsamen Rcgierungsform fürchterlich, undden Kaysern selbst gefährlich geworden sind. Die Ge-rechtigkeit, die gelehrten Beförderungen sind durchausverkäuflich. Alle Jahre leidet diese oder jene Pro-vinz von der Hungersnoth; die öffentlichen Vorraths-hauser stehen, durch die üble Besorgung eigennützigerObrigkeiten, ledig, und die Unterthanen sterben zuTaufenden. Der kayserliche Hof ist voll Unruhen;selbst der gepriesene Kanghi hat seinen erwähltenThronerben hinrichten zu lassen sich gezwungen gesehn.Kurz, in China ist der blosse Schatten der Tugend,und das Wesentliche des Lasters anzutreffen.
Hier wird der Freygeist mir die europäischenSünden vorwerfen. Er wird die Greuel des so an-dächtigen Konstantinopolitanischen Hofes, das zu Romherrschende Verderben, und die Fehler der protestan-tischen Länder vorrücken. Seht die Folgen des Chri-stenthums, sagt man. Der Spanier betet und mordetin einer Viertelstunde; der andächtige Italiäncr er-mähnet seine» Feind zur Beichte, und schießt ihm diemörderische Kugel, nachdem der Elende sein AveMaria geendet hat, mit beruhigtem Gewissen durchsHerz. Die Christen geben vor, sie glauben ein ewi-ges Leben, und dieses sey die Hauptabsicht ihrer Tha,ten; aber seht sie näher an: suchen sie etwas anders,als Geld, Wollust und Ehre? und was sucht derAtheist anders? also kömmt, in der ausübenden Sit-tenlehre, der Atheist und der Christ überein, und