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Deutsche Sprachforscher und Literarhistoriker.
August Vilmar (1800—1868); Karl Simrock (1802—1876); Georg Gottfried Gervinns (1805—1872).
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August Vilmar.
Lithographie von HanfstLngl nach einer Originalphotographie. Umgezeichneter Ausschnitt.
Karl Simrock.
Anonymer Kupferstich. Verkleinerter Ausschnitt.
August Friedrich Christian Vilmar, geb. 21. November 1800 zu Solz bei Roten-burg an der Fulda, studierte 1818—1820 in Marburg Theologie, war Hauslehrer undPfarrassistent seines Vaters, 1823 (December) bis 1827 (April) Lehrer an der Staatsschulezu Rotenburg, dann Gymnasiallehrer zu Hersfeld, gehörte 1831 und 1832 der HessischenStändeversammlung an, war seit October 1832 Hilfsreferent im Ministerium des Innernzu Cassel, welche Stelle er noch zeitweise beibehielt, als er 1833 zum Gymnasialdirector inMarburg ernannt war. Am 28. Februar 1850 wurde er vortragender Rath im Ministeriumdes Innern zu Cassel, am 27. October 1855 ordentlicher Professor der Theologie zu Mar-burg. Er starb daselbst den 30. Juli 1868. — Hauptwerk: „Geschichte der Deutschen
Nationallitteratur" (zuerst herausgegeben 1845 als „Vorlesungen über die Geschichteder Deutschen Nationalliteratur"; die zweiundzwanzigste, von Pros. Stern bis auf dieNeuzeit fortgesetzte Auflage dieses in mehr als 100.000 Exemplaren verbreitetem-Bucheserschien 1886); „Von der stete ampten" (1835); „Die zwei Recensionen und die Hand-schriftenfamilien der Weltchronik Rudolfs von Ems" (1839); „Anfangsgründe der Deut-schen Grammatik" (1840); „Deutsche Alterthümer im altsächsischen Heliand" (1845,1862);„Zur Litteratur Johann Fischarts" (1846); „Deutsches Namenbüchlein" (1855); „Hand-büchlein für Freunde des Deutschen Volksliedes" (1867); „Idiotikon vonKurhessen" (1868).
Georg Gottfried Ge rvinus,geb. 20. Mai 1805 zu Darm-stadt, war 1819 in Bonn beieinem Buchhändler in der Lehre,1819 — 1824 in einem Darm-städter Schnittwaarengeschäfte.1825 studierte er in Gießen, 1825bis 1827 in Heidelberg unterSchlosser. Diese Jahre sind dieentscheidendsten für Gervinns.Nachdem er 1827—1829 an einerFrankfurter Erziehungsanstalt,1830 in Heidelberg als Haus-lehrer thätig gewesen, habilitierteer sich in demselben Jahre undnahm 1836 eine ordentliche Pro-fessur für Geschichte und Littera-tur in Göttingen an. Er gehörtzu den Göttinger Sieben, welcheam 11. December 1837 ihrerStellen entsetzt wurden; er lebteseitdem meist in Heidelberg, woihm 1844 eine Honorarprofessurgegeben wurde. Im Jahre 1848war er als Vertrauensmannzum Bundestag entsendet, warer Mitglied der Nationalver-sammlung, trat jedoch im Juli1848 aus derselben aus. Am18. März 1871 starb er inHeidelberg; er konnte es nichtbegreifen, daß sich die Ereignisseanders entwickelt hatten, als erin seiner patriotisch gehaltenen„Deutschen Zeitung" (1847 bis1849), seinen politischen undhistorischen Schriften („Geschichtedes XIX. Jahrhunderts", achtBde., 1855—1866) auch demon-striert hatte. Sein bedeutendsteslitterar-historisches Werk ist seine„Geschichte der poetischenNationallitteratur derDeutschen" (fünf Bde., 1835bis 1842; seit 1852 unter demTitel „Geschichte der Deut-schen Dichtung"), die erstepragmatische Geschichte unserergesammten Litteratur von Be-deutung und bleibendem Werthe.— „Shakespeare" (vier Bde.,1849—1850); „Händel und Sha-kespeare" (1866).
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Georg Gottfried Gervinus.
Gemalt von Oesterley, lithographirt von Hermann EichenS. Verkleinerter Ausschnitt.
Karl Joseph Simrock,geb. 28. August 1802 zu Bonn,studierte Rechtswissenschaft inBonn (1818) und Berlin (1822),wo er aber auch bei Lachmanneifrigst germanistische Vorlesungenhörte. 1823—1826 war er Aus-cultator, bis 1830 Referendaram Kammergerichte zu Berlin.Wegen seiner Sympathieen, dieer für die Französische Julirevo-lution in einem Gedichte („Diedrei Farben") geäußert hatte,wurde er aus dem Staatsdiensteentlassen und lebte nunmehr seinengermanistischen Studien. 1850erhielt er die Professur für Deut-sche Sprache und Litteratur inBonn, wo er den 18. Juli 1876starb. — Seine hauptsächlichstenÜbersetzungen älterer Deut-scher Schriften sind: „Nibelun-gen" (1827); „Walther von derVogelweide" (1833); „WolframsParzival und Titurel" (1842);„Deutsches Heldenbuch" (1843—1850, enthält namentlich: „Gu-drun", „Walther und Hilde-gunde", „Alphart", „Rosengar-ten", „Hildebrandslied", „Ort-nit", „Hug und Wolfdietrich",„Wieland der Schmied", „EckenAusfahrt", „Rabenschlacht");„Rudolf von Ems, der guteGerhard" (1847); „Die Edda"(1851); „Gottfried von Straß-burg; Tristan und Isolde"(1855); „Heliand" (1855); „DerWartburgkrieg" (1858); „Beo-wulf" (1859); „Freidank" (1867).Andere germanistische Werke:„Handbuch der Deutschen My-thologie" (1853 — 1855); „Diegeschichtlichen Deutschen Sagen"(1850). Auch erneuerte er die„Deutschen Volksbücher" (1839ff.), gab „Volkslieder" (1851),„Räthselbuch" (1853) und anderevolksthümliche Schriften heraus.— Unter seinen eigenen „Ge-dichten" <1844, 1863, 1872) istdas Lied: „An den Rhein, anden Rhein, geh' nicht an denRhein" das bekannteste geblieben.