Buch 
Bilderatlas zur Geschichte der Deutschen Nationallitteratur : eine Ergänzung zu jeder Deutschen Litteraturgeschichte : enthaltend 1675 Abbildungen / von Dr. Gustav Könnecke
Entstehung
JPEG-Download
 

-<z> XXV -

Deutsche Sprachforscher und Literarhistoriker.

Wilhelm Wackernagel ( 1806 - 1869 ); Moriz Haupt ( 1808 - 1874 ); Adolf Holtzmann ( 1810 - 1870 ).

Wilhelm Wackernagel.

Nach einer Originalphotographie umgezeichnet.

Karl Heinrich Wilhelm Wackernagel, geb. 23. April 1806 zu Berlin,studierte daselbst unter Lachmann 18241827, wurde 1833 Professor der Deut-schen Sprache und Litteratur am Pädagogium zu Basel, 1835 Professor derDeutschen Litteratur an der dortigen Universität, erhielt 1837 das Baseler Ehren-Bürgerrecht und starb in seiner neuen Heimat den 21. December 1869. Hauptwerk:Deutsches Lesebuch", seit 1839; hierzu: einWörterbuch" und dasHand-buch der deutschen Litteraturgeschichte" (18481855,unvollendet).DasWessobrunner Gebet" (1827);Geschichte des deutschen Hexameters und Pentametersbis auf Klopstock" (1831);Tas Landrecht des Schwabenspiegels in seiner ältesten Ge-stalt" (1840); nVoLahnlarins optinrus" (1847);Walther von der Vogelweide, nebstUlrich von Singenberg und Leutold von Seven" (1862, zusammen mit M. Rieger);Sprache und Sprachdenkmäler der Burgunden" (1868);Johann Fischarts vonStraßburg und Basels Antheil an ihm" (1870). Kleinere Abhandlungen im Schweize-rischen Museum für historische Wissenschaften" (18371839, namentlich -Die epischePoesie",Über die dramatische Poesie",Die germanischen Personennamen"). DerDeutschen Litteratur gehört Wackernagel durch eine Reihe launiger, gemüthvoller Ge-dichte an:Gedichte eines fahrenden Schülers" (1828),Proben" (1829),NeuereGedichte" (1842),Zeitgedichte" (1843),Weinbüchlein" (1845),Gedichte" (1873).

Karl Adolf Wilhelm Holtz-mann, geb. 2. Mai 1810 zu Karlsruhe,studierte in Halle (1828) und in Ber-lin (18291831) Theologie, war kurzeZeit Vikar in Kandern, studierte 1832bis 1833 in München Orientalia undGermanistik, arbeitete hier auch unterSchmeller, setzte seine orientalischen Stu-dien 1834 und 18361837 in Parisfort, wurde 1837 vom GroßherzogeLeopold von Baden mit Charakter einesLycealprofessors zum Erzieher seinerSöhne berufen, 1843 zum Hofrathe undunterm 24. April 1852 zum ordent-lichen Professor der Deutschen Spracheund Litteratur in Heidelberg ernannt.

Die dortige philosophische Facultätmachte ihn zum Ehrendoctor; hierstarb er den 3. Juli 1870. BonHoltzmanns Arbeiten auf dem Gebieteder orientalischen Sprachen und vonsprachvergleichenden Untersuchungen wirdhier abgesehen. Alls seine hauptsächlich-sten germanistischen Arbeiten, welchevon der Lachmann'schen Schule durch-aus unabhängig sind, seien hier auf-geführt:Über das Verhältnis derMalberger Glosse zum Texte der Salica"

(1852),Untersuchungen über das Nibe-lungenlied" (1854),Kampf um der Ni-belungen Hort gegen Lachmanns Nach-treten" (1855),Kelten und Germanen"

(1855),Das Nibelungenlied" (1857u. ö.),Die Klage" (1859),Der großeWolfdietrich"(1870),Altdeutsche Gram-matik" (unvollendet, 1870),Germa-nische Alterthümer" (herausgegeben vonHolder, 1873),Deutsche Mythologie"

(herausgegeben von Holder, 1874),Dieältere Edda übersetzt und erörtert" (her-ausgegeben von Holder, 1875).

UM

WW

WW

WO«

WWWW

Moriz Haupt.

Holzschnitt von A. Neumann nach Originalphotographie. Aus den bei S. Hirzel erschienenennOMsonla? Haupts. Verkleinerter Ausschnitt.

Moriz Haupt, geb. 27. Juli 1808 zu Zittau, studierte unter GottfriedHermann in Leipzig 18261830, promovierte 1831, lebte dann bei seinemkranken Vater in Zittau, wo er sich in Muße seinen klassischen und germani-stischen Studien hingeben konnte. 1837 habilitierte er sich in Leipzig, wurdedaselbst 1841 außerordentlicher Professor der klassischen Philologie und 1843ordentlicher Professor für Deutsche Sprache und Litteratur. In Leipzig hielt erVorlesungen über klassische, altfranzösische und germanistische Fächer. 1851 wurdeer wegen angeblicher Betheiligung an revolutionären Bestrebungen seines Amtesentsetzt; in Berlin erhielt er 1853 Lachmanns Lehrstuhl. Hier las er bis 1859auch germanistische Collegia. 1861 war er Mitglied der Berliner Akademie und

ständiger Secretär ihrer philosophisch-historischen Classe geworden. In Berlinstarb er den 5. Februar 1874. WarHaupt gleich nicht Lachmanns direk-ter Schüler, so ist er doch derjenigeseiner Nachfolger, welcher auf die Text-gestaltung Deutscher Dichtungen dessenstrenge kritische Methode am schneidig-sten anwandte. Ausgaben:Erek,eine Erzählung von Hartmann vonAue" (1839, kurze Berichtigungen undNachträge in Zeitschrift III, 266 bis273),Der gute Gerhard, eine Er-zählung von Rudolf von Eins" (1840);Die Lieder und Büchlein und derarme Heinrich, von Hartmann vonAue" (1842);Engelhard, eine Er-zählung von Konrad von Würzburg"(1844);Der Winsbeke und die Wins-bekin" mit Anmerkungen (1845);DieLieder Gottfrieds von Reifen" (1851);Des Minnesangs Frühling" (heraus-gegeben von K. Lachmann und M.Haupt, 1857);Neidhart von Reuen -thal" (1858);Moriz von Craon,eine Altdeutsche Erzählung" (1871);Von dem üblen Weibe" (1871).Ferner besorgte er die dritte Aus-gabe vomJwein", Lachmann-Benecke(1868), die dritte von LachmannsWolfram" (1872), die dritte (1853)und vierte Ausgabe von LachmannsWalther". Zeitschriften:Alt-deutsche Blätter" (mit Hoffmann vonFallersleben),Zeitschrift für Deut-sches Alterthum" (1841 sf., hierin vieleTextausgaben und Abhandlungen vonHaupt).

3

Adolf Holtzmann.

Nach einer Originalphotographie umgezeichnet.