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Bilderatlas zur Geschichte der Deutschen Nationallitteratur : eine Ergänzung zu jeder Deutschen Litteraturgeschichte : enthaltend 1675 Abbildungen / von Dr. Gustav Könnecke
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Lehrdichtung.

XVI. Jahrhundert, Reformationszeit.

Johannes Agricola (1494-

-1566), Burkhard Waldis (um 14951556).

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Johannes Agricola.

Kupferstich von Balthasar Jenichen aus dem Jahre 1565. Nach dem Exemplaredes Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Die Unterschrift ist voneinem Originalbriefe aus dem Marburger Staatsarchive.

-Esopus/

Gantz New gemacht/ vnd

tn Rktmm gefaßt. Mtt fampt

t)underr Nerver Zabeln/

vormals im Drucknichtgesehen/noch außgan-gen/ Durch

Biireardum Waldis.

Titel der ersten Ausgabe von B. Waldis'Esopus",gedruckt 1548 zu Frankfurt durch Hermann Gülfferichenin der Schnurgasse zum Krug.

Nach dem Exemplare der Berliner Bibliothek.

Johannes Agricola, geb.(wahrscheinlich 20. April) 1494 zuEisleben, studierte 1515 in Wit-tenberg, wo er Luther und Me-lanchthon sehr nahe stand, mitdenen er aber in der Folgezeit viel-fach dogmatische und persönlicheStreitigkeiten hatte. Diese seienhier nur angedeutet, ebenso seindurchaus zweifelhaftes Verhaltenseinen Glaubensgenossen gegen-über in seiner Stellung zum In-terim (1548). Er führte die Refor-mation in Frankfurt a. O. ein(1525), war Lehrer und Predigerin Eisleben (bis 1536), diente in-zwischen dem Kurfürsten vonSachsen als Reiseprediger auf denReichstagen in Speier (1526) undAugsburg (1536); seit 1536 inWittenberg, wo er Vorlesungenhielt. 1540 vom Kurfürsten Joa-chim II. von Brandenburg nachBerlin als Hof- und Dompredigerberufen, zum Generalsuperinten-denten der Mark ernannt, starb erdaselbst den 22. September 1566.Agricola wird hier aufgeführt we-gen seinerSprichwörter" (1528),welche namentlich in ihren Aus-legungen eine reiche Fundgrubefür Volksleben und Cultur-geschichte der Reformationszeitsind. 1543 erschien von ihm einedeutsche Uebersetzung derAn-dria" des Terenz; 1537 seine po-lemische TragödieJohannisHuß".

Burkhard Waldis, geb.um 1495 in Allendorf an derWerra in Hessen, wurde Fran-ziskaner in Riga, nahm LuthersLehre an, für deren Verbreitunger eifrig wirkte. In Riga ernährteer sich als Zinngießer undmachte in diesem seinem Ge-werbe große Reisen; auf einerderselben (1536) wurde er von Hä-schern des Ordensmeisters derFranziskaner gefangen und inschwerer Haft gehalten. 1540 los-gelassen, kehrt er nach Hessen zu-rück, studiert 1541 in WittenbergTheologie und erhält 1544 vonLandgraf Philipp von Hessen diePfarrei Abterode. Er starb wahr-scheinlich 1556 (nach dem 3. Au-gust). Sein Hauptwerk sind seineFabelnEsopus" (1548), welchevolkstümlich und anmuthig er-zählt sind und sich von lehrhafterBreite fern halten. In Riga wurde1527 sein niederdeutsches Fast-nachtspielParabel vom verlornSzohn" aufgeführt; 1542 unter-stützte er Landgraf Philipp vonHeßen gegen den von ihm bekrieg-ten katholischen Herzog Heinrichvon Braunschweig durch poetischesatyrische Flugschriften (Belage-rung von Wolfenbüttel; der wildeMann von Wolfenbüttel; Lycaon,Klagelied); auch übersetzte er imAuftrage Philipps Kirchmairs(Naogeorg) Buch:Das Päpst-lich Reych" 1555. Er übersetzteauch denPsalter" gesangweise1553, und überarbeitete denTheuerdank" 1553.

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meuer Sprickwörde/derrvy ZDüdschm vns gebru-ken/pnde doch nicht we-ten worhersekame/dorch

D. Johan Agricolanr van Islcue'an den vorchlnchttgcn hochgebar,nen börsten vndc-Heren/Heren/Johan Freverick / -Hertogentho Sassen etc. gefchretuen/vnvc klarlrckVthgelechr.

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Titel der ersten niederdeutschen Ausgabe von AgricolasSprich-wörtern", gedruckt tho Magdeborg (1528).

Dieser erste Theil enthält ZOO Sprichwörter; der andere Theil erschien 1529 und enthält450 (449) Sprichwörter, beide Theile wurden seit 1534 zusammen (750 Sprichwörter)ausgegeben. 1548 erschienen500 Gemainer Newer Teutscher Sprichwörter". DerStreit, ob die erste Ausgabe ursprünglich niederdeutsch erschien, oder ob die niederdeutscheAusgabe eine Uebersetzung einer vorher gedruckten hochdeutschen sei, ist noch nicht ent-schieden. Nach Latendors ist die niederdeutsche Ausgabe eine Uebersetzung des ZwickauerNachdruckes von 1529.

Das Attder Auch» 14 L

Die Ucriij. Fabel / Vom Esel/,

vnd fernem Herrn.

Er Esel eim vndanchbarn ManHer Lang gedrent/vrel arbeit ehan/

^ Sein Herr het jn viel Jar gebrauchtDoch her fern fuß kern mal gerauchtEins ma!s da er war vberladenIm glatenwcg/zu feinem schadenFiel darnideron als gefeheBald» lieffsein Herr auffi» daher/

Schlug,n vmb Ghren /Ropff/vnd Mai»Hießfn dazu ein Schelmen faul/

Der Esel seuffyer in dem leydt/

Ach/wie groß ist vndanckbarkeyt?

Mein Herr leßt mich jetzt nicht gentesse»

^ Das ich viel Jar/on all verdrießen/

Viel Seck getragen/kein mal gefalle»

Das ist jeyundt vergessen allen/

Heltmirnicht einen fallzu gutVerlorn/was man vndanckbarn thut»

HP Verlorn ist wolrhat vnd das gutDas man einem vndanckbarn thut/

E»n böses Hertz fürwar gar seltenDas gut mit gutem thut vergelten/wenn du ern solchen vbewügstMit wolthat/vnd auffhenven trügst/

Gen Rom/ vnd seyst in vnsanffr nrderVeralt er» doch mir vnrhar wider.

Die §cv.Fabel/ vom

vnnyPkinTharant»

Eine Seite aus der ersten Ausgabe von B. Waldis'Esopus".

Zwei Unterschriften von B. Waldis aus Abteroder Zinsregistern von 1545 und 1549.

Aus dem Psarrarchive zu Abterode. Bildnis von Waldis ist nicht bekannt.