XVI. Jahrhundert, Reformationszeit.
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Lehrdichtung.
Erasmus Alberus (um 1500—1553).
Erasmus Alberus, geb. um 1500 zu Sprendlingen bei Frankfurt a. M.,studierte in Wittenberg unter Luther und Melanchthon, führte ein wechselvollesLeben in Kirchen- und Schuldiensten oder ohne Amt, zu Ursel, Heldenbergen,Dreieich, Sprendlingen, Berlin, Neubrandenburg, Staden in der Wetterau, Roten-burg a. d. Tauber, Babenhaufen ( 1544 — 1540 ), Magdeburg, Hamburg. 1553wurde er als Pastor Primarius und Superintendent nach Neubrandenburg (inMecklenburg) berufen, wo er den 5 . Mai 1553 , wenige Wochen nach seiner Be-rufung, starb. Alberus war ein eifriger Verfechter strengen Lutherthums, fürdessen Verbreitung und Vertheidigung er in Wort und Schrift energisch auftrat.Selbst sein litterarisch bedeutendstes Werk, die „Fabeln", ist nicht frei von kirch-licher Polemik. Von diesen seinen Fabeln erschienen im Jahre 1534 zuerst 19unter dem Titel: „Buch von der Tugend und Weisheit"; spätere Ausgaben ent-halten 49 . Von seinen gegen die Katholiken gerichteten polemischen Schriften istdie bedeutendste die mit Luthers Vorwort versehene: „Der Barfüser MuencheEulenspiegel vnd Alcoran" ( 1542 ). Alberus verfaßte auch viele Kirchenlieder.
Unterschrift des Erasmus Alberus von einem Originalbriefe aus demJahre 1545 im Staatsarchive zu Marburg.
Bildnis von ihm ist nicht bekannt.
Etliche fabelLlvpl
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zmii Scheynren bracht durchErasrnum Alberum.
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Sampr anderen iiewen Fabelnfast nurzbarlich vndlustr^ zu lesen.
Verrückt zu AaLanaw Im Iar
Titel der ersten Ausgabe von Er. Alberus' „Fabeln", Hagenau 1534.
Nach dem einzigen Exemplare der Dresdener Bibliothek.
Don epm Huiidt/rmd schatten
L)te FaLck.
Ein
IN grosser hundt war vnuerzagt/Vnd stal ein stückfleisch (wie man sage)Zu H ohmberg/in eins metzters hauß/Vnd lieffdamie Zum thor hinauß /Vom berg hinab/biß an ein lach/
Da schwam er durch die Erlenbach.Wie nun die Sonn scheint/ meint ek
Veöc-'e »orco/rtc-r-tok ssr«e/cttt»
Zwar/
Was er im Wasser seh/wer war /
Aie Sonne gab des fleisches schatten/
Er meint^ee sott jhn etwas hatten/
Er grepffdarnach vnd war nicht faul/
Das stück fleisch fiel jhm auß dem maul/
Vnd fuhr diebach hinab behend /
Der hundt war schon vmb sein Prebend/
Damittzugleich der schatt verschwand/
Er schweig ein wenig / Pfei der schandSprach er darnach mit grossem Korn/
Presentz vnd absentz ist verlorn/ Herder.
Ich armer hab die schantz versehn/
Er sagt selbs/ jhm wer recht geschehn/
Vnd sprach/Ich hab michwol beschmissett/
Warumb bleib ich nicht beim gewissen SMir war tzu wol/vnd hatt tzuuiel/
Also gehts tzu/ wann einer willAugeitzig sein/so fehrt das glückDahin/vnd kert sich gar tzurück /
Das stück fleisch war dir vngesundk/
So fast nun auch du loser Hundt,
Bild und Text der Fabel: „Vom Hunde und seinem Schatten" von B. Waldisaus der Ausgabe der „Fabeln" vom Jahre 1550.
„Das Buch von der Tugent vnd Weißhait . . . nemlich 49 Fabeln . . . ., gedruckt zu Franckfurtt amMahn bey Peter Braubachen ^nno vomiui 1550." Nach dem Exemplare der Darmstädter Hofbibliothek.
'Der Holzschnitt (von Lukas Cranach d. ä.) mit Ueberschrift steht aus Seite 5, der Text auf Seite 6, die aufSeite 7 nachfolgende Moral ist fortgelassen.
Holzschnitt von L. Cranach d. ä. zu der 29. Fabel von „Ein Wolfs vndKranich" aus B. Waldis' Fabeln aus dem Jahre 1550.
Nach dem Exemplare der Darmstädter Hosbibliothek.