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Bilderatlas zur Geschichte der Deutschen Nationallitteratur : eine Ergänzung zu jeder Deutschen Litteraturgeschichte : enthaltend 1675 Abbildungen / von Dr. Gustav Könnecke
Entstehung
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XVII. Jahrhundert, zweites Drittel.

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Sogenannte zweite schlesische Dichterschule.

Andreas Gryphius (16161664).

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Eigenhändiges Sonett von Andreas Gryphius aus einem Stammbuchblatte, Leydeu, 17. April 1640,

gewidmet an Constantin Lindershausen.

Original im Besitze des Herrn Professors M. Carriere in München.

Andreas Gryphius.

Ausschnitt aus dem Kupferstich von Philipp Kilian. Unterschrift aus den vonihm herausgegebenenGlogauischen Fürstenthums Landes-Privilegia", 1653.Nach dem Exemplare der Breslaner Stadtbibliothek.

Andreas Gryphius, der bedeutendste Lustspieldichter vor Lessing, istgeboren den 2. Oktober 1616 zu Groß-Glogau, erzogen auf den Schulen inGlogau, Görlitz und Fraustadt, l634 1636 auf dem akademischen Gymnasiumin Danzig, dann Erzieher im Hause des kaiserlichen Kammerfiscals PsalzgrafenSchönborn, welcher ihn 1637 zum koeta 1aureatu8 und Magister der Philo-sophie machte; 1638 studierte er in Leyden und las an der dortigen Hochschule1639 1644. Hierauf machte er große Reisen (bis 1647), privatisierte, bis er 1650Syndikus des Fürstenthums Glogau wurde, als welcher er in Glogau in einerSitzung der Stände am 16. Juli 1664 plötzlich starb. Seine Bedeutung liegt inseinen Lustspielen:Herr Peter Squentz" (1657),Das verliebte Gespenst" (1660),Horribilicribrifax" (1665). Seine Trauerspiele:Leo Arminius, ein Fürsten-Mörderisches Trauerspiel" (1650),Catharina von Georgien, oder Bewehrte Be-stendigkeit" (1657),Ermordete Majestät, oder Carvlus Stuardus" (1657),Car-denie und Celindo, oder Unglücklich Verliebete" (1657),Großmütiger Rechtsge-lehrter, oder Sterben des Aemilius Paulus Papinianus" (1659). Er hat auchOden, Sonette, Epigramme, satyrische Scherzgedichte und geistliche Lieder ver-faßt. Ein merkwürdiger Gegensatz herrscht in Gryphius' Werken: muntere heitereNatürlichkeit, Witz und Anmuth spricht aus seinen Lustspielen, tiefe Schwermuthaus seinen lyrischen Gedichten, Schwulst und Phrase, Mord und Blut aus seinenTrauerspielen.

Derltötts Aespensie/

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Breßlaw/

Gedruckt dmch 8oi«fri«d Gründ«»/

Baumannischrn ksAor.

Titel der ersten Ausgabe von A. Gryphius' Gefangspiele:Verliebtes Ge-spenste", gedruckt 1660.

Das hierin eingeflochteneSchertz-Spil, die geliebte Dornrose", ist im schlesischen Dialekt abgefaßt. DieseSpiele wurden in Glogau zu Ehren des durchreisenden neuvermählten Herzogs Georg III. aufgeführt.Der Druck ist in Octavformat. Nach dem Exemplare der Berliner Stadtbibliothek.

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_Deutsch.

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Bey Veit Jacob Tresthem.

Titel der ersten Ausgabe von A. Gryphius' Scherzspiele: Lorribilieribrilux(worin ein feiger Maulheld verspottet wird), gedruckt erst 1663.

Nach dem Exemplare der gräflichen Bibliothek zu Wernigerode. Das Buch ist in Octavformat.

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Oder

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Schtrnpff-Spiel.

Titel der ersten Ausgabe von Andreas Gryphius' Lustspiele:Sguentz" (1657).

Das Format ist in 8". Nach dem Exemplare der Berliner Bibliothek.

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14 Herr Peter Squentz

Seren. Was sagt ihr dennHu Sovom und Gomorrha >

P.Sq. Die wollen wir wol tragiren, aber es würde vielFeuerwerck dazu gehören/wtr mächten vielleicht denTeuf-fel gar anzünden.

Seren. Was sol man denn mit Rittern Peter machen ?

P. Sq. Die wölken wir wol trs^iren^aber ihr müsset noch 14.Tage darauff harren.

Seren Wie stehetS denn mit Ritter konrus?

P.Sq. Die wollen wir wol trauen, aber Ritter ponrus istuns daraus gestorben.

Seren. Köynenwtrdte!Aelu6nen sehen?

P. Sq.DaS hatMeisterLollinger wider meinWtssen unöWtl-len dazu gesetzet/ den lasse ichs verantworten.

Seren. Sol denn ^rrus und der Gftwmd mit einander fechte?

P.Sq. Die wollen wir wol rrag>ren,aber der/der denOstwtnbtragiret, ist itzk zu Schlieren SchlossnachWollr gezogen/könnet ihr geduld haben/biß er tpieder komt / so wolle»wir fthen/wte wir das Spiel zu wege bringen.

Seren. Was ist denn (^arc>I u5 quin^ue vor einer gewesen?

P.Sq. Er ist seines Nahmens der Erste gewesen/ jsuliusunu8 der Andere/aber zu dem ersten mangeln uns die Klei»der/und in der andern Oomoecli istzu viel Lateinisch. Eswürde dem Gestrengen Frauen-Ztmmer nur verdrüßlrchfallen.

Seren. Könnet ihr denn den Heryog und den Teuffel ein-führen ?

P. Sq. Das fönten wir wol thun/ aber es würde erschrecklichseyn/ wenn der Teuffel kommen solte/ die kleinen Kinderwürden so drüber weinen/ daß man sei» eigen Wort nichtvernehmen könte»

Seren. Nun ich sehe/ihr seyd sehr wol auSgerüstet/eS mangeltnun nichts mehr als die letzte von piramusund Tkisbe.

P. Sq. Die wollen wir euch den Augenblick hermachen.

Seren. Ihre Majestät verstehen den Titul nicht wol/köNt ihruns demselben nicht etwas erklären ?

P.Sq- Das kalt ich besser als der Cantzler.

Theo/

Eine Seite aus der zweiten Ausgabe desPeter Sguentz".

Aus dem Exemplare der gräflichen Bibliothek zu Wernigerode. Herr Peter Squentz, Schreiber undSchulmeister zu Rumpelskirchen, hat dem König Theodorus, zu dessen Ehren etwas aufgeführt werdensoll, das Verzeichnis der lustigen Tragödien und Prächtigen Komödien überreichen lassen, welche er undseine aus ehrsamen Handwerkern bestehende Künstlergesellschaft angeblich allejämmerlich schön" zu tra-giereir verstehen. Natürlich können sie nur ein Stück spielen, das ist:Piramus und Thesbe", welchesam Ende des Zettels, welchen der Prinz Serenus eben mit Squentz durchgeht, steht. (Bergt. Shakespeares

Sommernachtstranm.)