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XVIII. Jahrhundert, erste Hälfte. Französische Richtung und ihre Gegner.
Johann Christoph Gottsched (1700—1766), Luise Adelgnnde Viktoria Gottsched (1713—1762), Johann Jakob Bodmer (1698—1783).
Johann Christoph Gottsched.
Kupferstich von I. M. Bermgroth (1757) nach dem Bilde von I. F. Reifs (1753). Ausschnitt.
Darinnen erstlich die allgemeinen Regeln der Poesie,
hernach alle besondere Gattungen der Gedichte,
abgehandelt und mit Exempeln erläutert werden:
Überall aber gezeiget wird
Daß das innere Wesen der Poesie
in einer Nachahmung der Natur
bestehe.
Anstatt einer Einleitung ist Horatki Dichtkunstin deutsche Verße übersetzt, und mitAnmerckungen erläutertvon
Joh. Christoph Gottsched.
Leipzig 1732
Verlegrs Bernhard Christoph Bmtkopf.
Titel der ersten Ausgabe von Gottscheds „Critischer Dichtkunst" (1730).
Nach dem Exemplare der grast. Bibliothek in Wernigerode.
Johann ChristophGottsched, geb. 2. (ge-tauft 5.) Februar 1700 inJudithenkirch bei Königsbergin Preußen, bezog schon 1714die Universität Königsberg,wo er durch das Studium derWolsf-Leibnizschen Philoso-phie die theoretische und durchden Unterricht des Professorsder Poesie I. B. Pietsch diepraktische Grundlage seinerspäteren Wirksamkeit legte;1724 entzog er sich durch dieFlucht nach Leipzig den preußi-schen Werbern. Hier trat erin die „deutschliebende poeti-sche Gesellschaft", deren Haupter bald wurde, und habilitiertesich an der Hochschule (1724);1729 wurde er außerordent-licher Professor der Poesie,1784 ordentlicher Professorder Logik und Metaphysik,als welcher er den 12. Dezem-ber 1766 in Leipzig starb.Gottsched wollte die deutscheLitteratur nach vernunftge-mäßen Regeln eingerichtetwissen; die Dichtung ist ihm unr-eine angenehme, verstandes-gemäß auszuübende Neben-beschäftigung, die man treibendarf, soweit ernsthafte Beschäf-tigungen dazu Zeit lassen.Als glatte Muster, namentlichdes regelrecht eingerichtetenDramas gelten ihm die Fran-zosen, in deren Werken er dieRegeln der Alten verkörpertsieht. Seine Herrschaft wurde1740 durch die Schweizer(Bodmer, Breitinger und ihreAnhänger) gebrochen, welcheder frei gestaltenden Phanta-sie in der Dichtkunst wieder zuihrem Rechte verhaften. Gott-sched verstand diese Richtungder deutschenDichtung, den An-fang einer neuen Zeit, nicht;ebensowenig wurden seine Ver-dienste, die er unleugbar alsder „Reiniger der deutschenSchaubühne" und als Literar-historiker hat — durch dasWerk: „Nöthiger Verrath",bibliographische Arbeit überdie deutschen Dramen (1450bis 1760, erschienen 1757 bis1765) und durch die „Bey-träge zur Critischen Historieder deutschen Sprache, Poesieund Beredsamkeit" (1732 bis1744) — von denen aner-kannt, die in ihm nur denstarren eigensinnigen Pedan-ten sehen mußten. Seinhaupt-sächlichstes ästhetisches Werk istseine „Critische Dichtkunst"(1730); seine Richtung warferner vertreten in seinen Zeit-schriften: „Die vernünftigenTadlerinnen" (1725, 1726),„Der Biedermann" (1727),„Neuer Büchersaal der schönenWissenschaften und freienKünste" (1745—1754), „DasNeueste aus der UnmuthigenGelehrsamkeit" (1751—1762).Diejenige Zeitschrift jedoch,welche am entschiedensten fürdie Gottschedianer Parteimachte, waren die von Schwaberedigierten: „Belustigungendes Verstandes und Witzes"(1741 fs.). Von Gottschedsselbstständigen dichterischenSchöpfungen ist sein „Ster-bender Cato" (1732) das-jenige, in dem seine Regelnzur vollen Anwendung kom-men (parodiert von Bodmer1765).
Luise Adelgnnde Vik-toria Gottsched, geborneKulmus, geb. (wahrscheinlich11. April 1713) zu Danzig,vermählt 19. April 1735,gestorben 26. Juni 1762 zuLeipzig, Gottscheds feinsinnigelitterarische Gehilfin und mit-thätig an der Herausgabeder „Schaubühne", verfaßteaußer „Gedichten" (heraus-gegeben 1765) auch Dramen:„Die Pietisterei im Fischbein-rock" (1736). Sie ist auch ge-wandte Übersetzerin.
Luise Adelgunde Viktoria Gottsched.
Kupferstich von I. M. Bermgroth nach dem Gemälde von E. G. Hausmann. Gering verkleinerterAusschnitt. — Nach dem Exemplare des Germanischen Nationalmnsenms in Nürnberg.
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Johann Jakob Bodmer.
Kupferstich von Kanke (1758) nach dem Gemälde von I. C. Fuesli. Qben verkürzt.