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Bilderatlas zur Geschichte der Deutschen Nationallitteratur : eine Ergänzung zu jeder Deutschen Litteraturgeschichte : enthaltend 1675 Abbildungen / von Dr. Gustav Könnecke
Entstehung
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1729 1781 .

6- 164 -H

Lessing.

Geburtshaus, Kinderbild.

Gotthold Ephraim Lessing, der Reformator der deutschen Litteratur,ist geb. 22. Januar 1729 zu Kamenz in Sachsen, Sohn des damaligen ArchidiakonusJohann Gottfried Lessing. Auf der Fürstenschule in Meißen vorgebildet (seit I74l),sollte er seit September 1746 Theologie in Leipzig studieren, wo er aber, im Ver-kehr mit Ch. F. Weiße, Kästner und der Theatertruppe der Neuberin, mehr schöneund philologische Wissenschaft trieb. Da er 1748 bei der Neuberin sein schon inMeißen entworfenes LustspielDer junge Gelehrte" aufführen ließ, viel mit demals Atheisten verschrieenen Christlob Mylius verkehrte, so rief ihn der strenggläubigeVater von Leipzig ab, ließ ihn jedoch 1748 zu Ostern wieder dorthin zurückkehren; ersollte nunmehr Medizin studieren. Das Auf-fliegen der Truppe der Neuberin brachte ihn auchin finanzielle Verlegenheit; er beschloß mit MyliusLeipzig schleunigst zu verlassen, blieb auf der Reisenach Berlin krank in Wittenberg, studierte hierweiter, folgte Mylius nach Berlin nach, kehrtejedoch 1751 nochmals nach Wittenberg zurück, woer 1752 seine Studien mit Ablegen des Magister-examens abschloß. Jetzt nahm er seinen Aufent-halt wieder in Berlin, wo er bis 1755 (Oktober)blieb, namentlich für die von Mylius heraus-gegebeneVossische Zeitung" als Journalist thä-tig. In Berlin hatte er vorübergehend Verkehrmit Voltaire; folgenreich und andauernd warenseine Beziehungen zu Mendelssohn, Nicolaß Ram-ler. 1755 kehrte er nach Leipzig zurück, übernahmeine Stelle als Reisebegleiter bei dem jungenWinckler; größere Reisepläne unterbrach der Aus-bruch des Krieges (1756), das Verhältnis zuWinckler löste sich bald wegen seiner Preußen-freundlichkeit (Mai 1757). Lessing blieb noch einJahr in Leipzig, welches durch den intimen Ver-kehr mit E. v. Kleist für beide von nachhaltigemEinflüsse war, und gieng im Mai 1758 wiedernach Berlin, das er plötzlich (November 1760)wieder verließ. Er begab sich nach Breslau, woer im Dezember 1760 Gouvernementssekretärbeim Generallieutenant von Tauentzien wurde.

In dieser Stellung verblieb er bis zürn Anfang des Jahres 1765 und kehrte wiedernach Berlin zurück. Dieser sein letzter Aufenthalt in Berlin (seit Juni 1765) währtebis April 1767; da er eine dort gerade frei gewordene Bibliothekarstelle nicht erhielt,auch Aussichten auf Anstellungen in Kassel sich zerschlugen, so gieng er als Dra-maturg an das von Ackermann gegründete, von diesem an eine Gesellschaft über-lassene deutsche Theater nach Hamburg (hier Eckhof). Das Theater hörte schon am25. November 1768 auf; Lessing hatte seine Beziehungen schon im September 1768gelöst. Am Schlüsse dieses Jahres trat er auch von der mit I. I. Ch. Bode gegrün-deten Buchhandlung zurück, welche seiner durch die fortwährende Unterstützung seiner

bedrängten Angehörigen nur noch verschlimmerten finanziellen Lage den gehofftenAus-schwung nicht brachte. In Hamburg stand er besonders im Verkehr mit der FamilieKönig, Schröder dem Schauspieler, Claudius, den Kindern von H. Reimarus undseinem späteren Gegner Göze. Lessing hatte die Absicht, von Hamburg nach Rom zugehen, verkaufte seine Bibliothek, wurde aber durch Ebert veranlaßt, sich dem Erb-prinzen Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig vorzustellen (November 1769),welcher ihn von 1770 an zum Bibliothekar in Wolfenbüttel ernanntes Seine äußereLage war hier auch schon vor seiner Gehaltsaufbesserung (1776) günstiger, als gewöhn-lich angenommen wird. Am 8. Oktober 1776 heiratete er seine Meta König, die aber

schon am 10. Januar 1778 starb. Lessings Auf-enthalt in Wolfenbüttel wurde durch häufigeAusflüge nach Braunschweig, zu seinen Freun-den Ebert, Eschenburg, Campe, Leisewitz, durcheinen längeren Aufenthalt in Wien (1775) undeine ihn wenig befriedigende Reise, welche ervon dort aus mit dem Prinzen Leopold vonBraunschweig nach Italien machte, sowie durcheinen Aufenthalt in Mannheim unterbrochen,wo man ihn an das neugegründete National-theater berufen wollte (17751776). Er starbauf einer Reise in Braunschweig den 15. Februar1781 und wurde dort auf dem Magnikirchhofebeerdigt. Von seinen Werken seien hier auf-geführt: 1. Kritisch-ästhetische und antiqua-rische:Briefe, die neueste Litteratur betreffend"(Litteraturbriefe, herausgegeben von Nicolai17591765), Lessing war von Januar 1759bis September 1760 Mitarbeiter;Laokoon"(1766);Hamburgische Dramaturgie" (17671769);Briefe antiquarischen Inhalts" (17681769)'Wie die Alten den Tod gebildet haben"(1769). 2. Dichterische:Miß Sara Sampson"(1755), das erste deutsche bürgerliche Trauer-spiel; Fabeln (1759);Philotas", Trauerspiel(1759)Minna von Barnhelm (1767), dasbestedeutscheLustspiel;EmiliaGalotti" (1772);Nathan der Weise" (1779). 3. Religions-philo-sophische: Die Herausgabe derFragmente des Wolfenbüttelischen Ungenannten"(H. S. Reimarus) in denBeiträgen zur Geschichte und Litteratur, aus den Schätzender herzogt. Bibliothek zu Wolfenbüttel" (seit 1773); das Fragment:Vorn ZweckeJesu und seiner Jünger" erschien als besonderes Buch (1778); dieseFragmente"zwangen Lessing zu einer Reihe von polemischen Schriften, namentlich gegen Göze:Eine Parabel" (1778),NöthigeAntwort" (1778),Axiomata" (1778),AntiGöze"(1778). SeinNathan" muß hier auch erwähnt werden, als das Werk, worin dasResultat seiner religionsphilosophischen Anschauungen gezogen wird.Ernst und Falk,Gespräche für Freymänner" (1778);Die Erziehung des Menschengeschlechts" (1790).

Lessings Geburtshaus in Kamenz.

Nach Originalphotographie der jetzt auf dem Kamenzer Rathhause befindlichen Zeichnungvon H. Frölich. TaS Haus brannte 1842 ab.

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Gotthold Ephraim Lessing im 6. Lebensjahre und sein Bruder Theophilus.

Gemalt von Christian Eottlieb Haberkorn. Nach Originalphotographie des jetzt im Betsaale des Lessingstiftes zu Kamenz befindlichen Ölgemäldes.Gotthold wollte durchaus mit einem großen Haufen von Büchern umgeben gemalt fein.