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XVIII. Jahrhunderts zweite Hälfte
Der Göttinger Dichterbund (der Hain).
Gottfried August Bürger (1747—1794).
Gottfried August Bürger, unser volksthümlichster Balladendichter, geb. in Molmer-schweude bei Harzgerode den 31. Dec. 1747, besuchte die Schule in Aschersleben (1760), dasHallische Pädagogium (1762), bezog die Universität Halle (1764), um Theologie zu studieren ; derschlimme Einfluß Klotzens war für fein ganzes Leben verhäugnißvoll. 1768 erlaubte sein mütter-licher Großvater Bauer in Aschersleben, der für ihn nach dem Tode seines Vaters (1765) gänz-lich sorgte, daß er 1768 in Göttingen die Rechte studiere. Dieser entzog ihm seine Unterstützung,da sein Leben auch dort sich nicht innerhalb der Schranken guter Sitte hielt. 1772 wurde er Amt-
mann des Uslarischen Gerichtes Altengleichen, dessen Nähe bei Göttingen ihm den Verkehr mitden Dichtern des „Hains" ermöglichte. Bürger war nicht zur Verwaltung eines Amtes ge-schaffen; er gab diese Stelle 1784 wieder auf. Inzwischen (22. Nov. 1774) hatte er sich mit Do-rothea Marianne Leonhard (Dorette; geb. 5. Oct. 1756 in Groß-Lenngden) verheiratet; sie starbden 30. Juli 1784, woraus er (27. Juni 1785) deren Schwester Eva Auguste Maria Wilhel-mine (geb. 24. August 1758), die schon vorher in seinen Liedern von ihm gefeierte „Molly", hei-ratete. Das Glück, welches er an ihrer Seite jetzt finden wollte, dauerte nicht lange, sie starb ihmschon den 9. Januar 1786. Bürger hatte sich bald nach Aufgeben seiner amtlichen Stellung (1784)in Göttingen als Docent niedergelassen; seine bedrängte Lage besserte sich dort wenig; eine außer-ordentliche Professur (1789) half ihm auch nichts, da sie ohne Gehalt war. Eine dritte Ver-mählung mit Elise Hahn (geb. 19. Nov. 1769 zu Stuttgart, gest. 24. Nov. 1833 zu Frankfurta. M.), welche er im Oct. 1790 schloß, war die unglücklichste seiner Ehen; 1792 wurde sie ge-richtlich wieder getrennt. Bürger erlebte noch Schillers scharfe Kritik seiner Gedichte (1791).
Er starb 8. Juni 1794 zu Göttingen. Bürger ist der Erneuerer der volksthümlichen Bal-lade und ihr größter Vertreter, seine lyrischen Gedichte sind der Ausdruck wahren tiefenGefühls. Von Balladen seien hier genannt: „Leonore" (1774), „Entführung der Eu-ropa" (1777), „Das Lied vom braven Manne" (1776), „Die Weiber von Weinsberg"(1774), „Der Kaiser und der Abt" (1784), „Die Kuh" (1784), „Der wilde Jäger",„Der Ritter und sein Liebchen" (1775), „Bruder Graurock" (1777), „Des PfarrersTochter zu Taubenheim" (1781), „Frau Schnips" (1777). Das Trinklied: „Ichwill einst bis Ja und Nein" (1777) wird noch heute gesungen.
Gottfried August Bürg
Nach der Originalaquarelle von Fiorelli (jetzt im Besitze des Herrn Dr. Althos in Hannov. Münden) umgezeichnet.
Anfang eines eigenhändigen Gedichtes von Bürger.
Original im Besitze der Berlagshandlung.
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Kupfer von Chodowiecki zu Bürgers „Leonore", gestochen 1789.
Engelmann, Chod. 612.
Links (1) und rechts (2) zwei Kupfer von Chodowiecki zu Bürger:
1) „Das Lied vom bravenManne".
Der brave Bauersmann schlägt dasihm für die Rettung der Familie ausWassernoth angebotene Geld aus.Engclmann, Chod. 233.
2) „Bruder Graurock und diePilgerin".
Der Klosterbruder erkennt seine alsPilgerin verkleidete frühere Geliebte.Engelmann, Chod. 235
Diese beiden Kupfer erschienen zuerst in der Göttinger Ausgabe von Bürgers Gedichten 1778.
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