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XVIII. Jahrh., Ende, XIX. Jahrh., erstes Drittel. Romantische Schule.
Karl Wilhelm Friedrich von Schlegel ( 1772 — 1829 ), Georg Philipp Friedrich von Hardeubcrg (Novalis) ( 1772 — 1801 ).
Verend Heinrich Wilhelm von Kleist ( 1777 — 1811 ). Johann Ludwig Tieck ( 1773 - 1853 ).
Friedrich von Schlegel.
Gezeichnet von Auguste von Buttlar, gestochen von I. Axmaun. Ausschnitt.
Ludwig Tieck.
Nach C. Vogel gestochen von Eduard Eichens.
Johann Ludwig Tieck, geb. 31. Mai 1773 zu Berlin, studierte 1792bis 1795 in Halle, Göttingen, Erlangen Anfangs Theologie, später Philologie undneuere Sprachen, lebte schriftstellernd in Berlin, 1799—1800 im Kreise der Ro-mantiker, deren Richtung er seit 1797 vertrat, in Jena, war 1801, 1802 mitFr. Schlegel in Dresden, wohnte seit 1803 wieder in Berlin oder auf Ziebingen,, einem bei Frankfurt a. O. gelegenen Gute seines Freundes, des Grafen von Finken-stein, machte 1804—1805 eine Reise nach Italien, namentlich nach Rom, wo eraltdeutsche Handschriften des Vatican studierte, versuchte 1808 in Wien und MünchenAnstellung zu erhalten, lebte während des Kriegsjahres 1813 in Prag, machte1817 eine größere Studienreise nach England und Frankreich, namentlich umShakespeare zu studieren, und wählte 1818 Dresden zum Wohnsitze, wo er zumHofrathe ernannt wurde und 1828 die Intendantur des Hoftheaters erhielt. 1841folgte er einem Rufe Friedrich Wilhelms IV., der ihm einen Jahrgehalt aussetzte,nach Berlin, wo er am 28. April 1853 als geheimer Hofrath starb. Haupt-schriften: „Peter Lebrecht" (1795, 1796); „William Lovell" (1795, 1796); „Derblonde Eckbert", Märchen (1796); „Der gestiefelte Kater, ein Kindermärchen"(dramatisiert) (1797); „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders"(zusammen mit H. Wackenroder) (1797); „Franz Sternbalds Wanderungen" (1798);„Prinz Zerbino, oder die Reise nach dem guten Geschmacke" (1799); „Der getreueEckhart" (1799); „Leben und Tod der heil. Genoveva", Trauerspiel (1800); „KaiserOctavian", Lustspiel (1804); „Altenglisches Theater, oder Supplement zum Shake-speare" (1811); „Die Elfen", „Der Pokal", Märchen (1811); „Dichterleben", No-velle (1826); „Der Aufruhr in den Cevennen", Novelle (1826); „Waldeinsamkeit",Novelle (1841). Er übersetzte den „Don Quixote" (1799—1801), ergänzte und erklärteSchlegels Shakespeare-Übersetzung (seit 1826), gab „Die Insel Felsenburg" (1827)(s. oben Seite 143) und „Altdeutsche Dichtungen" (König Rother, Minnelieder,Ülrich von Liechtenstein) heraus.
Friedrich von Hardenberg.
Kupferstich von Eduard Eicheus 1845. Ausschnitt.
Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (Novalis), ist geb.2. Mai 1772 zu Oberwiederstedt bei Mansfeld, studierte 1790—1794 in Jena,Leipzig und Wittenberg Rechtswissenschaft, hildete sich in Freiberg, nachdem erseit 1795 in Weißenfels im Salinendepartement und auf verschiedenen Salinenprakticiert hatte, im Bergfache aus (1797—1799), arbeitete praktisch wieder inder Salinenverwaltung und starb am 25. März 1801 in Weißenfels im elter-lichen Hause als Assessor der Localsalinen. Die von Schlegel und Tieck 1802 heraus-gegebenen „Schriften" enthalten sein Romanenfragment: „Heinrich von Ofter-dingen", „Geistliche Lieder", „Die Lehrlinge zu Sais". Diese Ausgabe wird na-mentlich durch den dritten 1846 herausgegebenen Band und die 1857 und 1859 her-ausgegebenen Gedichte ergänzt. Unter seinen geistlichen und weltlichen Liedern sindbekannt geblieben: „Wenn alle untreu werden", „Wenn ich ihn nur habe", „Fernim Osten wird es helle", das Weinlied „Auf grünen Bergen ward geboren", dasBergmannslied „Der ist der Herr der Erde".
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Heinrich von Kleist.
Nach dem von August Krüger gefertigten Miniaturgemälde, welches Kleist am 9. April 1801 seinerdamaligen Braut Wilhelmine v. Zeuge übersandte. Stich von H. Sagert. Zuerst vor „H. v. KleistsLeben und Briefe" 1818 . Ausschnitt.
Verend Heinrich Wilhelm von Kleist, geb. 18. October 1777 zuFrankfurt a. O., trat 1792 in preußische Militärdienste, machte den Feldzug1793 mit, trat als Secondelieutenant aus, studierte 1799—1800 in FrankfurtPhilosophie und Mathematik, wurde in Berlin (1800) vorläufig im Zolldienstebeschäftigt, gieng auf Reisen (April 1801 bis Juni 1804), namentlich nach Frank-reich und der Schweiz, wurde 1805 — 1806 in Königsberg als Diätar an derDomänenkammer beschäftigt und erhielt von der Königin Lonise eine Pension,verließ den Staatsdienst, gerieth 1807 in französische Gefangenschaft, lebte 1807 bis1809 in Dresden als Schriftsteller (Herausgeber des „Phöbus"), verließ Dresdenbeim Ausbruche des Krieges 1809, um in Prag für die deutsche Sache zu wirken,und kehrte nach dem Unterliegen Österreichs im Herbst 1809 nach Berlin zurück.Am 21. November 1811 erschoß er sich in der Dreilindenschen Haide bei Stahnsdorfunweit von Potsdam. Schriften: „Die Familie Schroffenstein", Trauerspiel (1803);„Penthesilea", Trauerspiel (1808); „Das Käthchen von Heilbronn" (1810); „Der zer-brochene Krug" (1811); „Der Prinz von Homburg", geschrieben Frühjahr 1810(1821); „Die Hermannsschlacht", geschrieben Frühjahr 1809; Erzählungen: „MichaelKolhaas"(l808); Hymne: „Germania an ihre Kinder"; „Das letzte Lied" (Mai 1809).