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XIX. Jahrhundert, erste Hälfte. Drama.
Ernst Raupach (1784-1852), Amalie Hcitcr (1794-1870), Michael Beer (18V0-I8SS), Louis Angelst (1787—18S5).
Ernst Raupach.
Holzschnitt aus der Illustrierten Zeitung, Nr. 2133 nach einer nicht nachweisbaren Vorlage.
Ernst Benjamin Salomon Raupach, geb. 21. Mai 1784 zu Straupitz(Reg.-Bez. Liegnitz), bezog schon 1801 die Universität Halle, um Theologie zustudieren, war 1804—1822 in Rußland, erst als Privaterzieher, dann als Pro-fessor der Geschichte und deutschen Litteratur an der kaiserl. Hauptbildungsanstaltfür Pädagogen in Petersburg und als kaiserl. Hofrath. Seit 1824 lebte er inBerlin, wo er mit seinen Familien- und Rührstücken die Bühne über ein Jahr-zehnt beherrschte, bis ihn Rötschers Kritik stürzte. Er starb am 18. März 1852in Berlin. Von der großen Menge seiner zum Theile schon in Rußland ver-faßten Stücke seien genannt: „Die Leibeigenen oder Jsidor und Olga" (Trauer-spiel, aufgeführt 1828); der aus 16 Stücken bestehende Tragödiencyklus „Die Hohen-staufen"; „Die Schleichhändler" (Lustspiel, aufgeführt 1828); „Der Zeitgeist" (Lust-spiel) ; „Der versiegelte Bürgermeister" (Lustspiel, aufgeführt 1828); „Die Schule desLebens"; „Robert der Teufel" (Romantisches Schauspiel, 1834); „Der Müller undsein Kind" (Volksdrama, 1835).
Amalie Heiter.
Kupferstich vor ihren 1873 im Verlage des Herrn Bernhard Tauchnitz erschienenen Werken.
Mit Erlaubnis des Herrn Verlegers. Ausschnitt.
Amalie Marie Friederike Herzogin zu Sachsen, Tochter des HerzogsMaximilian, Schwester König Johanns, geb. 10. August 1794 zu Dresden,gest. daselbst unvermählt den 18. September 1870. Unter dem Namen AmalieHeiter schrieb sie seinerzeit beliebte bürgerliche Lustspiele und Familienstücke: „Lügeund Wahrheit", „Der Oheim", „Der Landwirth", „Der Majoratserbe", „DasFräulein vom Lande", „Der Unbelesene", „Die Stieftochter"
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Michael Beer.
Lithographie von Hansstängl, Ausschnitt.
Louis Angely.
Angely als Maurerpolier Kluck in: „Das Fest der Handwerker". Nach farbiger Lithographie aus demlithogr. Institute von L. Sachse und Comp. in Berlin, etwa aus dem Jahre 1830. Umgezeichnet.
Michael Beer, geb. 19. Juni 1800 in Berlin, dichtete im Alter von18 Jahren seine „Klytämnestra" (1819 im Berliner Schauspielhause aufgeführt),trieb auf der Berliner Universität philologische und historische Studien, war inder glücklichen Lage große Reisen zu machen und sich in Städten wie Paris,Neapel, Berlin, München, Düsseldorf längere Zeit nach Belieben in schriftstellerischenund künstlerischen Kreisen zu bewegen; König Ludwig von Baiern, Platen, Jmmer-mann, Zedlitz, Grillparzer standen ihm nahe. Er starb zu München den 22. März1833. — Trauerspiele: „Der Paria" (zuerst aufgeführt 1823); „Die Bräutevon Aragonien" (1823); „Struensee" (zuerst aufgeführt 1828).
Jean Jacques Louis Angely, der Schöpfer des deutschen Bandeville,geb. 1. Februar 1787 in Leipzig, gieng jung zur Bühne, war seit 1822 Schau-spieler in Berlin, seit 1828 Schauspieler und Regisseur am dortigen Königstädti-schen Theater. 1830 zog er sich von der Bühne zurück und starb in Berlin den16. November 1835. — Noch heute werden gern gesehen (von seinen „Bandevilleund Lustspiele für das Königsstädter Theater" 1828—1834): „Das Fest der Hand-werker"; „Sieben Mädchen in Uniform"; „List und Phlegma"; „Von siebendie häßlichste"; „Die Reise aus gemeinschaftliche Kosten"; „Die beiden Hofmeister"„Schülerschwänke".
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