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XlX. Jahrhundert, zweites Drittel.
Gottfried Kinkel (1815—1882), Ferdinand Freiligrath (1810—1878)
Dichter der Opposition.
AMWM
Eigenhändiges Gedicht von Kinkel.
Gottfried Kinkel
Holzschnitt nach Originalphotographie aus Nr. 2056 der „Leipziger Illustrierten Zeitung" vom25. November 1882.
Original im Besitze des Herrn Kammer-Herrn von Donop in Frankfurt a. M.
Johann Gottfried Kinkel, geb. 11. August 1815 zu Obercassel beiBonn, habilitierte sich 1837 als Theologe, 1844 als Kunsthistoriker in Bonn, woer 1846 außerordentlicher Professor wurde. 1848 Mitglied der äußersten Linkender Nationalversammlung, betheiligte sich am Badischen Aufstande, wurde 29. Juni1849 gefangen, verurtheilt, entfloh 1850 im November (aus Spandau) nach Eng-land, wurde 1866 Professor der Kunstgeschichte in Zürich, wo er den 14. No-vember 1882 starb. — „Gedichte" (1843); „Otto der Schütz", lyrisches Epos(1846).
Ferdinand Freiligrath, Jugendbild.
Ausschnitt aus einer anonymen Lithographie.
Ferdinand Freiligrath.
Nach einer Originalphotographie umgezeichnet.
Ferdinand Freiligrath, geb. 17. Juni 1810 zu Detmold, erlernte 1826die Kaufmannschaft in Soest, war 1831—1836 in Amsterdam, 1837 in Barmenals Kaufmann beschäftigt, gab sich, durch den Erfolg seiner ersten Sammlung„Gedichte" (1838) bewogen, ganz litterarischem Schaffen hin, erhielt 1842 einenEhrengehalt von Friedrich Wilhelm IV., auf den er aus politischen Gründen ver-zichtete (1844). Nach Versuchen, in Belgien und in der Schweiz festen Fuß zufassen, nahm er 1846 eine Stelle in einem Londoner Geschäfte an, kehrte 1848nach Deutschland zurück, kam wegen seines Gedichtes „Die Todten an die Leben-digen" in Untersuchung, wurde jedoch vom Düsseldorfer Schwurgerichte freigesprochen.Er übernahm die Redaction der „Rheinischen Zeitung" in Köln, gieng wieder nach
England, als ihm wegen seiner „Neuen politischen und socialen Gedichte" (I 1849,II 1850) Verhaftung bevorstand. Bei der allgemeinen Amnestie kehrte er 1868in die Heimat zurück; seine Freunde hatten inzwischen dafür gesorgt, daß der greiseDichter sorgenfrei leben konnte. Er sah noch das, was er unter dem Drucke eineraufgeregten Zeit mit erkämpft und ersehnt hatte: ein einheitliches mächtiges Vater-land. Wenngleich die Ereignisse in historischer Nothwendigkeit sich anders ent-wickelt hatten, als er es früher sich gedacht, so begrüßte er mit seinen Liedern dochfreudig die neue Zeit. Er starb zu Cannstatt den 18. März 1876. — EinzelneGedichte: „Mitten in der Wüste war es", „Wüstenkönig ist der Löwe", „Der BlumenRache", „O lieb', so lang du lieben kannst", „Mein Herz ist im Hochland".