42
-»»
Anlage und Durchführung der Charaktere, der'Rhythmus des Ganzen u. s. w.,was zu beachten ist.
Die Art und Weise der Auffassung des Stoffs und der Ausführung derDichtungen, deren Technik die Poetik lehrt, beweist den Dichter, der in An-ordnung, Aufstellung, Fortleitung, in Beachtung von Satz und Gegensatz, inDarlegung des Idealen, Symbolischen und Wirklichen, in Entfaltung der seinemGenius entquellenden Formeigentümlichkeiten rc. poetische Idee und poetischeDisposition vereinigen und seinem Kunstwerk den Stempel des Ewigenund Schönen aufdrücken wird. (Um den Bau eines lyrischen Gedichts praktischzu illustrieren, empfehlen wir das so durchsichtig angeordnete Beispiel desMajestätischen von Kleist ss. Z 25. 3 «. A, dem wir behufs einer Veran-schaulichung seines Baus einige bezügliche Anhaltepunkte beigefügt haben,worauf wir am Schluß des Drucks die dichterische Disposition folgen ließen.Ebenso verweisen wir auf das Schillersche Gedicht: „Der Tanz". S. unsereAnalyse H 26. 4.)
ß 18. Einführung in das Stoffliche der Poetik: dieLitteraturgeschichte.
(Historische Übersicht und Inhalt der deutschen poetischen Litteratur.)
Wir verzeichnen zwei Blüteepochen unserer Litteratur. Die erstezur Zeit der Minnesinger (1150—1300) zeigt das Deutschtum mit demChristentum verschmolzen. Die zweite, Ende des vorigen und anfangsdieses Jahrhunderts, zeigt das Deutschtum im Lichte klassischer Bildung.Wir teilen die Geschichte der deutschen Litteratur in 10 Perioden ein.
I. Periode circa 360—! 13V n. Lhr.
Überblick und Charakter der Periode.
Vor 360 unserer christlichen Zeitrechnung findet der Forscher nurWeniges: einige Runenschriften, einige Andeutungen, die Tacitus inder Oorwuniu giebt. Das älteste bekannte deutsche Wort uiutbuktsBeamter (unäbutNi, Ambet, Amt) war lange vor Chr. in Rom bekannt.Bis zu Karl dem Großen ist wenig Litterarisches erhalten. Von da ab(vielleicht richtiger von Ludwig dem Frommen an) ist Geistliches vor-herrschend.
Inhalt der 1. Periode.
Ältestes schriftliches Denkmal: Bibelübersetzung des Ulfilas(Vulfilas ^ Wölfchen) um 360. Der gothische Bischof ergänzt das vor-handene Runenalphabet aus dem Griechischen von 16 auf 26 Zeichen. OoäsxurZtzukous. Probe: unsur tliu in üiraiuuur voilinui uuiuo tstsiu.
(Vater unser rc.) Zweifelsohne waren einst auch gothische Lieder vorhanden.