61
geistliche Lieder z. B. Wo find ich Trost; Charwoche; Zum Neujahr. Episches,z. B. Idylle vom Bodensee. Maler Rotten ic.). Gustav Pfizer (geb. 1807,Der Wälsche und der Deutsche, sowie Lyrisches und Balladen). Karl Friedr.Hartmann Mayer (st 1870, Lyrisches). Wilh. Waiblinger (st 1830, südlicheGlut, vier Erzählungen aus Griechenland, Bilder aus Rom, Trauerspiel: AnnaBullen). Emanuel Fröhlich (st 1865, Fabeln). Wilhelm Müller (st 1827,seine bedeutenden Griechenlieder stehen Platens Polenliedern gleich. Seinesonstigen Lieder, Müllerlieder, sind fast sämmtlich komponiert). Balthasar Wil-helm Zimmermann (st 1878; Gedichte. Dramen, z. B. Masaniello). Chr.Jos. Matzerath (geb. 1815; Lyriken und Balladen im Tone Uhlands; dieIdylle Erntemahl rc. rc.).
IX. Periode 1830-1870.
Überblick und Charakter der Periode.
Vom jungen Deutschland bis zum neuen Deutschen Reich. Mo-derne Bestrebungen der Litteratur. Wahl des Stoffes aus der Gegen-wart und Behandlung desselben im Geiste der Gegenwart. Die Dichterdieser Periode haben nicht geleistet, was die Klassiker erreichten, aberdurch Hinneigen zum frischen Leben der Gegenwart haben sie den rich-tigen Weg eingeschlagen.
Inhalt der 9. Periode.
Das junge Deutschland. Junge Schriftsteller, die mit kecker Ungeniert-heit Staat, Kirche, Sitte und Sittlichkeit angriffen und in der öffentlichen Meinungihre Stütze suchten, proklamierten die Emanzipation des Fleisches, die Herrschaftdes rein Menschlichen. Die Vorläufer derselben wurden Borne und Heine.
Ludwig Borne (st 1837, Prosaist, geißelte mit ätzender Schärfe in seinenaphoristischen Schriften das Regierungssystem in Deutschland, ferner Wolfg.Menzel, den Franzosenfresser rc. rc.). Heinrich Heine (st 1856). Dieser eminenteLyriker (Buch der Lieder) geißelt in „Deutschland ein Wintermärchen" humoristisch-sarkastisch deutsche Zustände am Faden einer Reise von Paris nach Hamburg.Sein „Atta Troll" parodiert die plumpen unkünstlerischen Gesinnungspoeten.Der „Romanzero" ist witzig, frivol, voll Blasphemieen.
Repräsentanten des jungen Deutschlands sind:
Ludolf Wienbarg (st 1872; widmete seine „Ästhetischen Feldzüge" demjungen Deutschland und gab ihm dadurch den Namen). Karl Gutzkow (st 1878.Sein Roman Wally zog ihm in Folge der Denunziation Menzels 3 MonateGefängnis zu wegen der Angriffe auf Religion und Ehe. Er war das bedeu-tendste Talent des jungen Deutschland. Seit 1839 hat er das von den Ro-mantikern verlassene Drama für die Bühne erobert. Statt Fernliegendem bringter interessante Lebensfragen auf die Bühne; liebt den Effekt, wirkt Verstandes -mäßig. „Urbild des Tartüffe" ist eine treffliche Spiegelung der Heuchelei.„Uriel Akosta" zeigt den Kampf des freien Denkens mit der Satzung wie mit