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mann und Lessing erstrebten Zurücksührung des Geschmacks auf die klassischeAntike. Desgleichen Herder, der die Naturschönheit betonte, und Goethe,der die Kunstschönheit obenan setzte. Die Jdentitätsphilosophen gaben derÄsthetik ihre Signatur. Kants Definition, daß das Schöne ohne Be-griff und ohne praktisches Interesse unbedingt gefallen müsse,setzte das Schöne in bewußten Gegensatz gegen das Angenehme und gegen dasGute. Als Quelle des künstlerischen Schaffens — im Gegensatz zum handwerks-mäßigen — nimmt Kant angeborene Gemütslage an. (Schiller steht aufKantscher Basis, indem er die interessantesten ästhetischen Fragen mit Bezug-nahme auf Poesie geistvoll erörtert und als höchstes Schönheitsideal die Harmonieder sinnlichen und geistigen Kräfte des Menschen fordert. Ebenso Jean Paul,dessen phantasievolle Vorschule (§ 4) zur Theorie des Humors wurde.) InGegensatz zum Kantschen Kritizismus trat der Fichtesche Idealismus, derwohl als Hauptursache der romantischen Dichterschule und ihrer ästhetischen Be-gründung (durch Schlegel) anzusehen ist. S «Helling, an den sich namentlichin seiner 3. Periode dos Spinozismus die Mystiker anlehnten, stellte den Satzauf, die höchste produktive Thätigkeit des Geistes beruhe in derEinheit des Bewußten und Unbewußten; dies sei aber die künst-lerische Thätigkeit, weshalb die Spitze aller Philosophie diePhilosophie der Kunst sei. 'Seine ästhetische Schrift „Bruno, oderüber das göttliche und natürliche Prinzip der Dinge" schuf ihmNachfolger. (Solger, Krause, Schleiermacher rc. 8 4.) Hegel erhob endlichdie Ästhetik zu einer systematisch aufgebauten Disciplin im Schul-sinn. Seine systematische Behandlung des Naturschönen als Vorstufe des Kunst-schönen, sowie seine geschichtliche Betrachtung der Schönheitsidee als symbolische,romantische und klassische Kunstform bildet eine sichere Basis zur Bestimmungder Grundbegriffe des Schönen und zur Einteilung der Künste. Er verlangt,das Schöne und dessen Verwirklichung durch die Kunst im höchsten, rein ideellenSinn zu begreifen. Das Schöne ist ihm Durchscheinen der Idee durchden Stoss. An Hegel lehnen sich 1) Weiße, der die Ästhetik die Wissen-schaft von der Idee der Schönheit nennt und dann aus deren innerenWidersprüchen die Begriffe des Erhabenen, Häßlichen und Komischen entwickelt;2) A. Rüge; 3) K. Rosenkranz; 4) der Vollender der Hegelschen undder Begründer der neuen Ästhetik Fr. Th. Bischer, der in seiner epoche-bildenden Ästhetik (8 4) den Gegensatz des Erhabenen und Komischenentwickelt, als deren Einheit sich ihm das konkrete Schöne und daraus dervolle Reichtum aller Schönheitssormen ergiebt. Der Vollständigkeit wegen er-wähne ich noch, daß Herbart der idealistischen Ästhetik gelegentlich ent-gegentritt, und zwar mit der Forderung eines Formalp rinzips. Ästhetiknennt er verschiedene Betrachtungen über das Schöne undHäßliche, deren Veranlassungen sich in ganz ungleichartigen Künsten finden.Seine Schüler: l) Zeising, der das Rätsel der formalen Verhältnisse alsGrundprinzip des Schönen im sog. goldenen Schnitt (8 21) findet und 2) Rob.Zimmer mann, dessen II. Band der Ästhetik dieselbe als Formwifsenschaft