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Wenn das Betonnngsgesetz anderer Sprachen ein mehr oder wenigergezügeltes Eilen zum Ende der Wörter ist, so ist dagegen die deutscheBetonung in jener Zeit ein Herabsteigen, eine gemäßigte Ent-wickelung zum festen Anfang. Die Betonung der ersten Silbejedes Wortes (der Stammsilbe) bleibt Regel in sämtlichen deutschen Sprachen,obwohl wir sie bereits erschüttert finden, wo wir die Betonung zuerst kennenlernen. Althochdeutsche Wörter, die mit den Partikeln 1r, int, 21 (bei Otfried)zusammengesetzt sind, haben den Hauptaccent ohne Ausnahme nicht auf dervoranstellenden Partikel. Lachmann meint, es war eben das Gefühl für dieQuantität nicht stark genug, um zu gestatten, daß diese Vorsilben durch nach-folgende Konsonanten verlängert eine Hebung und Senkung füllen.
Die regelmäßigen Abweichungen von dem Hauptgesetze der deutschenAccentuation jener Zeit, daß die erste Silbe des Worts den Ton habe, be-schränken sich auf wenige Zusammensetzungen und Präpositionen. Nachlässigkeitund. Verwilderung schien es, daß diese Tonverschiebung auch einzeln in andereZusammensetzungen eindrang; ebensowenig durchgeführt findet sie Lachmann indem Fall der Enklists zweisilbiger Personalpronomina: „Fremde Wörter, zumalNamen, bequemen sich nicht immer der deutschen Accentregel." Lachmann sagtgegen den Schluß seiner Abhandlung (S. 265): „In der Accentlehre andererSprachen pflegt man, so weit nur die einzelnen Wörter für sich zu betrachtensind, sich mit der Bestimmung des Hochtons zu begnügen. Bon Beachtung desNebenaccents werden sich bei den alten Grammatikern wenig Spuren finden,wie die Bemerkung des Nigidius Figulus, daß in dem Vokativ, der später zu
GalluS Zeit Vulsri gesprochen ward, der Accent von der ersten Silbe stufen-weise Herabsteige, also Verleit, nicht so wie wir die dritte über die zweite er-hebend aussprechen, Valsrts. Etwas sreier gebaute italienische Verse, wie diedes Pulci, scheinen oft einer der notwendigen Cäsuren zu entbehren, wennman nicht auf den Nebenaccent achtet, wodurch die italienischen Grammatikersich mehr auf diesen Punkt leiten lassen mußten. Im Deutschen ist man dar- ^auf jederzeit aufmerksam gewesen, und seit dem 17. Jahrh, mußte man es,weil nicht der gewöhnlichste Vers ohne Beachtung des Tieftons derdreisilbigen Wörter zu Stande gebracht werden konnte. Bei der Nach-ahmung antiker Maße ward das Ohr noch dafür geschärft, und I. H. Voß hatdie Lehre ziemlich bis in's Feinste vollendet. Nur das abweichende Gesetz deralt- und mittelhochdeutschen Betonung der Nebensilben, (das zuerst aus denmittelhochdeutschen Reimen entdeckt wurde) war noch zu finden. Aus denweniger mannigfaltigen Otfried'scheu Reimen wäre vielleicht die richtigeLehre schwerer abzuleiten gewesen: einmal erkannt, fand sie sich auchin diesen leicht wieder."