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Das eigne Herz muh sich der Mann bezwingen,
Will er das Höchste und sich selbst erringen; —
Das Haupt empor! (Jul. Mosens Zuruf.)
Erwach', mein Volk, mit neuen Sinnen!
Blick in des Schicksals goldnes Buch,
Lies aus den Sternen dir den Spruch:
Du sollst die Welt gewinnen!
Erwach', mein Volk, heiß' deine Töchter spinnen!
Wir brauchen wieder einmal deutsches Linnen
Zu deutschem Segeltuch. (Herwegh)
Die Nixe kämmt ihr langes Haar. Des Nachts im Mondcnscheine:
„Hier sitz ich nun viel hundert JahrAlleine.
Viel hundert Jahr, und bin noch jung,
Und schön genung
Und hab in all den Stunden
Kein'n Buhlen gefunden." (Rückert.)
(Vgl. hierzu Wilh. Jenseits Herbstsonne.)
III. Reimverschie-enheit als strophisches Ccharakteristikum-
Abwechselung der Neimgeschlechter.
L. Männliches S ch luß rei m p a ar.
Irrlichter, die Knaben,
Die laufen und traben.
Mit Luft sich beschuhend,
Nichtsnutziges thuend,
Besprechen sich gerneBeim Schein der Laterne.
Was hast du gethan?
O sage mir an! (Rückert.)
d. Umarmender männlicher Reim.
Ob ein Rätsel dir mein Schmerz,
Den du nicht vermagst zu heilen,
Willst du ihn doch mit mir teilen,
Du so vielgetreues Herz. (Betty Paoli.)
c. UmarmenderweiblicherReim. -
Hörst du? o hör'! es schlägt die zehnte Stunde,
Die zweite vor der stillen Mitternacht,
Diejenige, die wir uns ausgemacht
Zur täglichen Erneurung unsrem Bunde. (Rückert.)
U. Gekreuzte weibliche Reime.
Sie hängen dräuend, tief und schwer,
Die ungeheuren Wolkenballen.
Gebannt das heiße dunkle Meer —
Kein Ton, kein Hauch, kein leises Wallen.
(Arnold Schlönbach.)