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litterarischer Parteiname, als Tieck 1800 seine Gedichte unter dem mit vollerUnbefangenheit gewählten Titel „Romantische Dichtungen" heraus-gegeben hatte. (Vgl. R. Köpke: „Ludwig Tieck." I. 265.) Die romantischeSchule erstrebte Verjüngung der mittelalterlichen Poesie und eine Vereinungder Litteraturen, besonders der romantischen, zur Weltlitteratur. Ihre mitFichtes Idealismus und Schellings Naturphilosophie durchtränkte Weltanschauungversuchte eine Art Verbindung von mittelalterlich-christlicher Schwärmerei und Pan-theismus. Die Gedichte der romantischen Dichter (vgl. Bd. I. S. 58 und 88)zeichnen sich durch eine gewisse Überschwenglichkeit aus, durch eine märchenhafteBehandlung des Stoffs, den man auch in demselben Sinne romantisch nennenkann, wie man etwa eine Gegend durch dieses Attribut charakterisiert.
Moderne Poesie endlich nennt man diejenige Poesie, welche in demAnschauungskreise unserer Generation sich bewegt, welche ihre Figuren undHelden der Gegenwart entsprechend zeichnet, welche absichtlich zu dem Traum-und Phantasieleben der romantischen Poesie einen Gegensatz bildet und demRealismus der modernen Zeit mit ihren Empfindungen, Bestrebungen, Kämpfen,Kriegen, Kulturfortschritten und Eroberungen auf allen Gebieten Rechnungträgt und das Edelmenschlichc, Vernünftige und Freiheitliche pflegt. Freilichschält sich der moderne Dichter in der Einfachheit und Gediegenheit seinesKunstwerkes ebensowenig vom klassischen Dichter los, als er in Bezug auf An-schaulichkeit und Lebendigkeit der bilderreichen Phantasie und im Geschmack derDarstellung hinter dem romantischen Dichter zurückbleiben will.
tz 4. Einteilung der Poesie nach Stoff und Form.
1. Die geläufigste, allgemeinste und bezeichnendste Einteilung derPoesie ist die in lyrische, didaktische, epische und drama-tische Poesie.
2. Diese Einteilung entbehrt nur scheinbar des einheitlichenFundaments.
3. Bei näherer Betrachtung liegt dieses Fundament n. im Zweck,b. im Ursprung und Stoff der Poesie.
I. Die Einteilung der Poesie in lyrische, didaktische, epische und drama-tische Poesie ist späteren Datums. Platon kennt (in der Stelle Rsp. II. 379 H..in freilich nur vorübergehender Erwähnung) nur Epos und Tragödie: („DMo/ckLTroü rrvLt,', — 8«. LtStv oi Treai >9ko/.o//«§ rr-Tror — ck' orosö car, «ki ckr) rrou «/rackorkor, x«»- rx rr§ «,'rov xi-
xi-rkUt rrotis, re en Als Philosoph macht er nicht gelegent-
lich, sondern recht systematisch nur einen Unterschied zwischen nachahmender undheiliger Poesie. Selbst Homer verbannt er aus seinem Jdealstaate, in welchemnur die heilige Poesie geduldet sein soll. (Usx. Buch II. III. gelegentlich,dann X. bis xZ. 607.) Anderwärts teilt er nach Bedürfnis ein in Eposund Tragödie oder in diese und Komödie, oder er spricht auch noch vom Drama(S^mpos. 222 v.).