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die Lyra nimmermehr mitschwingen wird. Jene Didaktik jedoch, welche diehöchsten Fragen aus Natur und Menschenleben begeistert zu ersassen und mitden gemütbestrickenden Herztönen der dichterischen Empfindung sinnig zu ver-mählen versteht, kann vielleicht als die vornehmste und höchste Gattung allerPoesie angesehen werden. In diesem Sinne darf man kühn behaupten, das;derjenige Dickter, welcher einen ewigen Inhalt aus den Gebieten der Belehrungund der Spekulation in eine schöne dichterische Form zu gießen vermag, einechter Didakliker, ein wahrer Dichter sei, welcher geistige Kunst übt und fürdie Unsterblichkeit wirkt. Ja, in dieser Richtung ist alle wahre Poesie belehrend,didaktisch, jeder wahre Dichter ein Lehrer, ein Didaktiker.
tz 14. Schiller und Rückert als Begründer einer echten didak-tischen Poesie: -er Gedankentyrik. (S. 8 13- 2. dss. Bds.)Ferner das Gesetz der Didaris.
1. Die von Schiller und Rückert gegebene didaktische Poesie wirktauf das tiefere Erkenntnisvermögen und läßt den tiefen Gedanken imGefühle aufgehen.
2. Beide Dichter bilden für die didaktische Poesie eine Epoche.Von ihren Dichtungen ist daher für die Folge der Begriff und das Ge-setz der Didaktik zu abstrahieren.
3. Jean Paul ahnte bereits die Zukunft der didaktischen Poesie.
4. Rückert war der erste, der ihre Mission klar legte undbetonte.
1. Die didaktische Poesie, welche aus das tiefere Erkenntnisvermögenwirkt, und bei welcher der Gedanke im Gefühle aufgeht, behauptet einen aus-gezeichneten Platz. Diesen Standpunkt nimmt die Schillersche wie die RückertscheDidaktik ein. Nie zur Unzeit schaut aus dem Dichter der Philosoph mit seinerdürren Metaphysik hervor, überall deckt sich schöne Form mit dem tiefen Ge-danken, reine geistige Kunst ist vorhanden. Um auf den Verstandzu wirken, stellen diese Dichter ihre Wahrheiten in poetischer Form dar: fürEinwirkung auf das Gefühl geben sie denselben eben diese schöne Form.
2. Nach Schillers und Rückerts didaktischen Gedichten wird man für dieFolge den Begriff und das Gesetz der wahren Didaktik, die man als Ge-dankenlyrik bezeichnen muß, folgendermaßen zu präcisieren haben; DieDidaktik besteht darin, das Abstrakte in konkreter Form zu geben, umWahrheiten und Ideen bessern Eingang und Dauer zu verscbaffen.Jenes Abstrakte aber muß geist- und gemütreich, diese Form abervollkommen, schön und gediegen sein. Der durch die dichterischeschöpferische Phantasie bestrahlte Gedanke muß durch das Mediumdes Herzens verklärt werden und im Gefühle aufgehen; die schoneForm muß den tiefen Inhalt decken.