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brevier); Kästner (die Kometen)! Lichtwer (das Recht der Vernunft);Schiebeter (Poetik des Herzens); Schreiber (Harmonie); W. Jordan(Demiurgos, hat Ähnlichkeit mit Goethes Faust, bewegt sich in allen Kreisender menschlichen Gesellschaft und führt den Gedanken aus: Der Mensch sollunbekümmert um den Weltlauf sein eigenes Ziel erstreben): v. Gottschall(die Göttin, hohes Lied vom Weibe); Schlönbach (Weltseele, ist in mancherBeziehung mit Hallers Alpen zu vergleichen. Einzelne Bilder daraus z. B. „Vordem Sturm" sind äußerst wirkungsvoll).
Endlich sind vorzugsweise die auf S. 21 und 22 d. Bds. genanntengroßen Lehrgedichte hier zu verzeichnen, sowie zum Schluß das epochebildende,aus 2600 kleineren Lehrgedichten bestehende große Lehrgedicht Nückerts: Weis-heit des Brahmanen, welches durch die Einheit des Sinns, der Form undder Empfindung zu einem großen Ganzen verbunden ist, alle Verhältnisse desMenschen nach Alter, Stand, Geschlecht, Staat, Religion, Gesellschaft umfaßt,Resultate von Studien auf philosophischen, psychologischen, sprachlichen, natur-wissenschaftlichen und pädagogischen Gebieten darbietet, alle Saiten des Menschen-Herzens erklingen läßt, zur Tugend mahnt, Mut im Unglück lehrt und selbstden religiösen Fragen über Gott, Unsterblichkeit, Glauben, Offenbarung w.nicht aus dem Wege geht. Von welchem Gesichtspunkte aus der Dichter selberseine Weisheit des Brahmanen angesehen wissen will, mögen die nachfolgen-den Bruchstücke darthun :
Ich gebe dir, mein Sohn, das mögest du mir danken,
Gedanken selber nicht, nur Keime von Gedanken.
Nicht mehr zu denken sind Gedanken, schon gedacht;
Bon Blüten wird hervor kein Blütenbaum gebracht.
Doch ein Gedankenkeim, wohl im Gemüt behalten,
Wird sich zu eigener Gedaukenblüt' entfalten.
(Weish. d. Brahm. H. 31. 1. Ausg. II. 43.)
Ein anspruchvolles Buch will im ZusammenhangGelesen sein, und macht euch schwer den langen Gang.
Dies anspruchlose macht die kurzen Gäng' euch leicht;
Denn wo ihr stillstehn wollt, habt ihr ein Ziel erreicht.
(Ebenda V. 5.)
Wie wenig oder viel des Schönen mir gelang,
Erscheint mir doch am Ziel naturgemäß mein Gang.
Ich sehe, daß ich bin vom Schauen ausgegangen,
Um durch's Empfinden hin zum Denken zu gelangen.
(Ebd. XX. 61. 1. Ausg. XX. 106.)
Wenn ihr vielleicht vermißt in diesem Buch die Einheit,
Statt großes Ganzen seht der Einzelheiten Kleinheit;
Doch eine Einheit ist, und doppelte, darin:
Die Einheit in der Form, die Einheit auch im Sinn.
Aus wieviel Stoff nun angewandt die Einheit sei,
Das lenkt der Zufall, »ud ist wirklich einerlei.
(Ebd. XX. 64. 1. Ausg. XX. 111.)