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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Deutscher Grenadier. Ihr Bruder, eilt euch doch,

Brech' jeder sich den grünen Zweig,

Und schmückt euch rechten Siegern gleich;

Ruft alle: Deutschland hoch!

Und hoch der grüne Zweig!

Der Franzos. Mein deutscher Herr Gen'ral!

Es tragen eure Leut' zum PutzViel grüne Zweig' auf ihrem Mutz;

Mein deutscher Herr Gen'ral,

Geschieht uns das zum Trutz?

Deutscher General. Mein bester Herr Franzos!

Nein gar nicht'euch zum Trutz gcschichrs;

Die grünen Zweig' bedeuten nichts,

Es sind Feldzeichen bloß,

Nicht Siegeszeichen groß.

DeutscherGrenadier- Hört ihr des Feldherrn Wort?

Ihr lieben deutschen Grenadier,

Werft ab von euch die eitle Zier;

Die Zweige sind verdorrtDurch dieses cinz'ge Wort.

Der Franzos. Ihr Deutschen, euer GlückIst dieses, daß ihr selber thutDie grünen Zweig' von eurem Hut.

Wir rissen sonst in StückDie Zweig euch samt dem Hut.

DeutscherGrenadier. Franzosen, euer Glück ^

Ist dies, daß man's uns nicht erlaubt;

Eh' ihr die Zweig' uns rißt vom Haupt,

Rissen wir euch in Stück,

Wenn es uns wär' erlaubt.

Deutscher General. Damit nicht einen Strauß

Es mit dem grünen Zweig noch setzt;

Soldaten, macht euch fertig jetzt,

Wir ziehn nunmehr nach Haus,

Weil doch der Krieg ist aus.

Tambour. Weil wir nun ziehen heim,

So rühr' ich meine Trommel gleich;

Ihr Brüder, von dem grünen ZweigSingt heimwärts einen Reim;

Ich schlag' den Takt zugleich.

Die Soldaten. Als Sieger aus Frankreich

Ziehn wir nach Haus, doch bringen wirKein' grünen Zweig, o Deutschland, dir;

O liebes deutsches Reich,

Kommst auf kein' grünen Zweig. >

Weiteres Beispiel;Begegnung" von H. Heine.

Epischer Dialog. (Aus Rückerts Nal und Damajanti.)

(Damajanti sendet ihre Dienerin Kesini in den Palasthof, damit diese erforsche,wer der Wagenlenker sei. Sie ahnt, es sei ihr Gemahl, der nur eine andere Ge-stalt angenommen habe.)