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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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drei bilden eine Trilogie unter dem NamenOrestie", die uns von O. Marbachund A. Oldenberg übersetzt wurde); d. von den 130 Tragödien des Sophoklessind folgende sieben erhalten: Antigone, König Odipus, Odipus in Kolonos,

Elektra, Der rasende Ajas, Philoktetes und Die Trachinierinnen (unter diesen sinddie vier ersten seine Meisterwerke, welche ihn über Äschylus stellen, ja, zum vor-züglichsten griechischen Tragiker erheben); e. von den 75 Tragödien des Euri- ^pides, der den Zweck der Tragödie in der Erregung von Mitleid und in derRührung erblickte, sind 18 erhalten, z. B. Hippolytos, Alkestis, Jphigenie in Aulisund Jphigenie auf Tauris, die Bachantinnen, Medea und Phädra, von denenz. B. Medea, eine in der Rache ihre Befriedigung findende Zauberin, sich himmel-weit von einer Antigone, dem Ideal einer opfermutigen Jungfrau, unterscheidet.

Äschylus ist von I. H. Voß, Fr. L. Graf zu Stolberg, Minckwitz, Donner deutschübertragen, welche drei letztere neben Solger, Ast, Härtung, teilweise Th.

Kayser auch Sophokles übersetzten. Ajas bearbeitete Thudichum (der Über-setzer des ganzen Sophokles) und Gensichen. Euripides ist übersetzt von Minck-witz, Donner, Böthe; seine Helena und sein Ion von Wieland. Auch C. Th.Gravenhorst gab deutsch Antigone, Medea und die Äschyleische Orestie rc.heraus. Jphigenie in Aulis bildete Schiller nach. Jphigenia auf Tauris istBearbeitung Goethes. Zwei gediegene, in neuerer Zeit mit Erfolg zur Auf-führung gelangte Bearbeitungen Wilbrandts sind Elektra des Sophokles undder Cyklop des Euripides u. a.

d. Römer. Die römische Tragödie war Nachahmung der griechischen y-

(ca. 150 Jahre nach Sophokles nnd Euripides) und daher von Anfangan nicht nationalen Ursprungs. Ebensowenig diente sie religiöser Bestimmung;sie entbehrte (mit Ausnahme des Tragikers Seneka) des Chors. In denStoffen beschränkte sie sich fast ausschließlich auf die nationalfremden troischenSagen rc.; sie war somit ein schwaches auf fremden Boden verpflanztes Reis,das nie zum Baum wurde. Erwähnt werden als Tragiker: Livius Andronicus(220 v. Chr.); Ennius, Pacuvius, Attius und Seneka, dessen 10 erhalteneStücke von zweifelhaftem ästhetischem Wert metrisch von W. A. Swoboda über-setzt wurden und die einzig erhaltenen Tragödien der Römer sind.

o. Franzosen. Jodelle, der Begründer des französischen Theaters, schrieb1552 die Tragödie Kleopatra. Der berühmte Tragiker Corneille (ch 1684),schrieb 31 Tragödien, darunter Cinna, Die Horatier, Rcdogune, Cid. Racineschrieb 11 Tragödien, die Viehoff ins Deutsche übersetzte. Vgl. auch Racines(von Schiller ins Deutsche übertragene) Nachbildung der Phädra des .Euri-pides, welche Nachbildung als das beste Drama der Franzosen gerühmtwurde. Voltaire (7 1778) schrieb: Odipus, Zaire, Mahomet, Tancrede u. a. *Viktor Hugo (geb. 1802) schrieb: Cromwell, Lukrezia Borgia und das berühmtgewordene Drama Hernani. Sämtliche Franzosen schrieben aus Anregung derantiken Tragödie, der Vorschrift des Aristoteles gemäß rc.

ä. Spanien. In Spanien schloß sich der realistische, naturwüchsigeLope de Vega in seinen historischen Tramen an die antike Tragödie an, wor-auf Calderon die Romantik im Drama begründete. Lope de Vega, der