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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Zauberposse Das Rätsel des Glück- ein romantisch-komisches Zauber-spiel, obwohl die Lpitlistn ornuntin selbstverständlich sind u. s. w.

d. Verwerflich ist die Manier gewisser Dichter, die Titel ihrer Stücke wieKüchenzettel aufzubauschen und durch dieselben schon im Voraus den Inhaltbekannt zu geben. Ich wähle nur wenige, abschreckende Beispiele:

Eginhard und Emma, oder Verbotener Lieb' und Löffelei erschrecklicheFolgen aber doch erfreuliches Ende, oder: Die Gründung der Großherzogl. HessischenStadt Seligenstatt. Eine traurige wahrhaftige Historie sehr lehrreich und ergötzlichzu sehen, zum erstenmal in eine hochdeutsche Tragödie abgefaßt zu Nutz undFrommen wie Seelenergetzung für hoch und niedrig durch Evxrianum .looo-

8UM, Llt. lid. mag.

Der Tyrann von Syrnx-Kuß, oder: Es geht nichts über Wort-halten. Großes hist. unsinnig-theatralisch romantisches Fastnachtspossen-Puppen-spiel mit Gesang und Tanz, frei bearbeitet nach einem verloren gegangenenScknllerschen Fragment in 4 A. von L. A. Görner.

Der Schmied von Antwerpen, oder: Llnintin Messis. Ein lyrischesSpiel mit Prolog, Zwischenrede und Epilog von Mor. Horn.

Esther, Vorbild der Kirche, oder: Kampf und Sieg der Religion. ScenischeDarstellung in Schaubildern (Tableaux), Deklamation und Gesang. Für Frauen-darstellungen von Barth. Ponbolzer.

Der blutige Pantoffel an der Kirchhofsmauer, oder: Das vergifteteTreierbrödchen. Große historisch-romantische Tragödie in 5 Auswicklungen vonEhemnitz u. s. w.

Inwieweit solche geschraubte Titel, die das krankhaft-krampfhafte Bemühenallzugroßer Deutlichkeit oder Komik auf der Stirn tragen, mit den ästhetischenAnforderungen ( 26) vereinbar sind, ist wohl ohne Kommentar ersichtlich.

tz 176. parodWiche und travestierende Dichtungen verschie-dener dramatischer Gattungen.

Die Parodie wie die Travestie soll das Erhabene nicht in denStaub ziehen, vielmehr eine Abwehr gegen falsche Tendenzen, Ver-irrungen aus allen Gebieten bilden, besonders auf denen der Kunstund Litteratur (vgl. S. 193 ff. d. Bds.).

Einem Herabziehen des Erhabenen in den Staub scheint es gleichzu-kommen, wenn Röller Schillers herrliche Jungfrau von Orleans, I. L. WeberKabale und Liebe, sowie Raupachs Der Müller und sein Kind travestiert, oderwenn Job. Bapt. Vvgl eine Parodie zur Sophokleischen Ariadne auf Naxosliefert. Dagegen erscheinen die S. 195 d. Bds. verzeichneten Parodien Mahl-manns und Eastellis rc. vollberechtigt. Die bekanntesten Parodien dramatischerDichtungsgattungen, die sich zum Teil wenigstens für einen Augenblick derGunst des Publikums erfreuten, sind von folgenden Dichtern:

Bäuerle (Leopoldstag, eine Parodie auf Menschenhaß und Reue), Laun(Pseud. für Fr. Aug. Schulze: verspottet im Marionettentrauerspiel die Schick-