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Ein wesentliches Erfordernis desselben ist das Recitativ, ohnewelches es zu einer einfachen Opernscene herabsinkt.
Schon die alten Griechen füllten die Lücken zwischen den Akten ihrerTragödien durch Wechselgesänge und Chöre aus, welche freilich mit ihrer Hand-lung in engster Beziehung standen. Ihnen folgten zuerst die Italiener, welchedie spezifisch italienische Gattung des Intermezzo schufen. Als erster italienischerIntermezzo-Dichter wird Valentin! (um 1650) genannt, obwohl GiovanniBardis Ooiukattimonto ä'^pollius ool ssrpsuts (aufgeführt um 1590)wahrscheinlich das älteste Intermezzo ist. Erst als Metastasios Verdienste dieoxera. ssria zur Vollendung hoben, schuf man wieder Intermezzos, die vonihren Komponisten genau wie die opera kulla behandelt wurden.
In Frankreich ahmte zuerst Racine (in seiner Athalie), und m Deutsch-land Cronegk (in der Tragödie Olint und Sophronia) die Sitte der Altennach. In Deutschland wurden sodann mehrere Intermezzos geschaffen, abersie trugen sämtlich italienisches Gepräge. Eines der bekanntesten und belieb-testen wurde Pygmalion von dem Sänger Wilhelm Häser, das wir alsBeispiel des Intermezzo betonen wollen.
(In der Neuzeit ist man von der Anwendung des Intermezzo mehr oderweniger zurück gekommen. Man läßt die Zeit zwischen den einzelnen Aktenoder Stücken in den Theaterkonditoreien oder in den Foyers zubringen; oderman füllt sie durch die sog. Entr'akts-Musik aus sJnstrumentalstücke in Formkleiner Sinfonien oder Ouvertüren); oder endlich man schiebt kleine Posten ein,die ebenfalls Intermezzo heißen, z. B. Der Salon-Mauschel von Ullmayer;Das Wundertheater, Zwischenspiel von Cervantes, übersetzt von Herm. Kurtz;Hinüber-Herüber rc. von Nestroy rc.)
Z 188 . Entstehung und geschichtliche Entwickelung derOper in Italien, Frankreich und Deutschland.
Da die Oper die höchste musikalisch-dramatische Kunstform istund ihre Eigenart, wie überhaupt ihr Wesen und Gepräge zum Teilnur durch den Hinblick auf ihre geschichtliche Entwickelung verständlichwird, wie denn auch erst die Kenntnis dieser Eigenart zum Mitsprechenund zur Beurteilung der jeweiligen Librettodichtung befähigt, so bietenwir in scharfen Umrissen das Wissenswerteste über die Oper in Italien,Frankreich und Deutschland, indem wir Folgendes ausführen:
1. Die Oper erblühte der Renaissance. Ihre Heimat ist Italien.
2. Frankreich adoptierte die italienische Oper und bildete sie fort.
3. In Deutschland ging die Oper aus der Nachahmung derItaliener hervor. Die Geburtsstätte einer deutschen Oper mit deutschemText und deutscher Musik ist Nürnberg. Ihre Blütestation wurdesodann Hamburg unter Reinhard Keiser um 1700; später Wien, wosie als komisches Singspiel ein vollendet nationales Gepräge erhielt.
Beher, Teutsche Poetik. II. gg