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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Erstes KcrupLstück.

Reimlose, auf dem Nhyfhmus beruhende Verse(Vedeverfe).

I. Übungen im jambischen Rhythmus.

tz 1. Bildung jambischer Verstakte.

1. Wir beginnen die praktische Anleitung und Einführung in dendeutschen Vers- und Strophenbau mit Bildung jambischer Verstakte("-), welche am leichtesten herzustellen sind. Es ist für den Anfanggestattet, die prosaischen Wendungen des Stoffes beizubehalten, da eslediglich daraus ankommt, daß möglichst reine Accentjamben gebildetwerden.

2. Nicht die lauf der geregelten Folge von kurzen und langenSilben beruhendes sog. Silbenquantität ist es also, worauf unsereÜbungen abzielen, sondern der von betonten und unbetonten Silbenabhängende deutsch-accentuierende Rhythmus. Der Accent muß in un-serer accentuierenden Sprache wie ein Heiligtum gepflegt werden.

3. Lediglich betonte, vom Accent getroffene Silben (Stammsilben)dürfen zu Arsen (Hebungen) gewählt werden. Dieselben können alsonie in die Thesis (Senkung) gestellt werden, wohl aber gehören un-betonte bis mitteltouige Silben in die Thesis.

4. Alan muß sich hüten, sprachlich unbetonten Silben durch Ver-setzung in die Arsis den Hochton (den rhythmischen oder Verston) zu ver-leihen, wie dies im BeispielDas furcht ! bare j Geschlecht ^ der Nacht"geschah; es würden sonst Sprache und Rhythmus miteinander in Streitgeraten.

(Es giebt nur zwei richtige Betonungen des Wortes furchtbare, nämlich:furchtbare Geschlecht", d. i. das fürchterliche, oder furchtbare, d. i. furchtlose.

Beyer, D. P. IH. Die Technik der Dichtkunst. I