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Erster Band.
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Das Schöne enthüllt sich dem Gebildeten 1) im Wechsel der Form(Rhythmus), 2) in der Proportionalität (goldner Schnitt), 3) in demdie Maße ersetzenden Gewicht.

Die Kenntnis der ästhetischen Gesetze muß anerzogen, abstrahiert, geübtund gelernt werden. Sie ist nicht angeboren. Die Wissenschaft soll uns lehrenund bilden., Der Dichter muß die Gesetze des Schönen von andern Dichterngelernt haben, wenn er sie üben soll. Er muß die Ordnung oder das regelndeGesetz erschaut haben, in welchem die Idee entsteht und erscheint. Dann erstkann er die in ihrer reinsten Gesetzmäßigkeit sich zeigende Idee in der Er-scheinung (d. i. das Ideal) erstreben. Wir sind heute im Gegensatz zu einerfrüheren spekulativen Ästhetik so weit, um einzusehen, daß das Sehen und Hörennach der physikalischen und physiologischen Seite, das Erfassen von Bewegung,Licht, Klang, das erste Fundament für die gesamte ästhetische Thätigkeit abgiebt, unddaß allein das wissenschaftliche Beobachten zuverlässige Aufschlüsse und Er-klärungen über unser ästhetisches Auffassen und Urteilen liefert. Das ist eingroßer Fortschritt und lediglich das Resultat der naturwissenschaftlichenMethode in der Ästhetik. Erst seit z. B. der Ton als eine Zusammen-setzung von Schwingungen aufgefaßt wurde, kann man sich sagen, daß eineVielheit, Verschiedenheit, Mannigfaltigkeit der Schwingungen zum Wohlgefallennötig ist, worin eine zahlenmäßige Einheit liegen muß, die das Ganze durch-zieht und die Summe der Beobachtungen gewissermaßen als Grundgesetz fürunser ästhetisches Empfindungsleben erscheinen läßt. Die Vielheit entsteht durchTeilung der Einheit (z. B. in der Strophenbildung). Aus der Gruppierungder Teile zur Einheit entsteht die Gliederung. Die Grenze liegt im ästhetischgebildeten Gefühl des Einzelnen, wie des bestimmten, ganzen Volks. (Manvgl. griechische Kunst mit orientalischer.) Übertriebene Gliederung ist in jederKunst unschön. Einheit bedingt Ganzheit, also Lückenlosigkeit, Vollständig-keit, sowie Freiheit in der Entwicklung der Idee zum schönen Ausdruck, zurSchönheitsform. In dieser Beziehung könnte die nach naturwissenschaftlicherMethode verfahrende Erkenntnis des Schönen dieses als Freiheit in derErscheinung bezeichnen, welche harmonische Bildung erstrebt und Werkehervorruft, von denen man sagen kann: das Schöne ist das harmonischGebildete.

1. Wechsel der Form (Rhythmus).

Es ist nicht nötig, daß gleiche Teileinheiten gleichmäßig zusammen-gesetzt sind, vielmehr wirkt Wechsel der Form, bei welchem die ver-mittelten Gegensätze in einander überfließen, wohlgefällig. Wir nennendiesen Wechsel Rhythmus.

Rhythmus bedeutet für unser Ohr und Auge das durch den Wechsel er-zeugte Wohlgefallen. Hogarth nennt in dieser Beziehung die Wellenlinie wegendes Rhythmus ihrer Bewegung die Schönheitslinie und macht sie zumAusgangspunkt seiner Ästhetik. Wie im Raume, so ist es in der Zeit. EinWechsel entsteht durch Änderung der Zeitform/ also etwa — v (Trochäus)