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4. Steigender und fallender Rhythmus.
Da die Thesis fast tonlos ist, so gewinnt der mit ihr beginnende Rhyth-mus eine fortdrängende, aufsteigende Bedeutung, weshalb man ihn steigendnennen kann. Umgekehrt wird die Gewalt des Rhythmus (sofern er nämlichmit der Arsis einsetzt) durch die folgende Thesis mehr abfallend, geringer,weshalb man ihn füglich als fallend bezeichnen kann.
Beispiele:
a. Steigender Rhythmus.
Ich will s euch erzäh s len ein Mär s chen gar schnurrig rc.
(Bürger.)
6. Fallender Rhythmus.
a. Seine heimatlosen Lieder
Legt der flücht'ge Dichter niederGern m zarte Fräüenhänd;
Bleibt auch er dem Kämpf verkettet,
Ruht doch sanft und weich gebättet,
Wäs seih lichtes Härz empfind. Albert Träger.)
st. Selige, fröhliche Weihnachtszeit.
In den antiken Sprachen giebt es noch den aus zwei Längen (—)bestehenden schwebenden Rhythmus, der — wenn wir reine Spondeen hätten— in unserer Sprache das Verharren und die ernste Ruhe bedeuten müßte.
§ 87. Prinzip des ursprünglichen urdeutschen Rhythmus'und seine Wandlung.
1. Der freie Rhythmus war ursprünglich das Prinzip unsererdeutschen Verskunst.
2. Der Versuch, den ursprünglichen accentuierenden Rhythmusdurch den quantitierenden zu verdrängen, war ein beklagenswerterJrrgang und eine Versündigung am deutschen Sprachgeist.
1. Die Herrschaft des accentuierenden freien Rhythmus in der althoch-deutschen Poesie beweisen die sämmtlichen, in Handschriften erhaltenen alt-deutschen Dichtungen. Vor Allem zeigt uns das Nibelungenlied den freienRhythmus. Seine Verse enthalten je 6 Arsen mit willkürlichen, unbestimmtenThesen, z. B.
Uns Ist m alten märenVon heleden läbebärenVon frvuden, hächgezltenVon küener recken striten
Wunders vll gefeitvon grözer ärebeit;von weinen linde klagen,müget Ir nu wunder hören sägen.