Zweisilbige Metren.
1. Trochäische Kompositionen.
u. Dreitaktige, z. B. Schillers Jägerlied: Mit dem Pfeil, demBogen rc. Ferner: Seit ich ihn gesehen, glaub' ich blind zu sein, von Chamisso.
b. Fünftaktige, z. B. Lieber unterm Fuß der Heidenrosse, von Herder.
e. Zweitaktige, z. B. Gestern kam ich, heute käm' ich, von Rückert.Oder: Aus der Wolke quillt der Segen, von Schiller, wo der Dichter auchdie Verszeilen nach Dipodien abteilte, weil ein Zusammenziehen wegen deskatalektischen Schlusses mancher Dipodien (Pausen) nicht gut anging, wennnicht ungebräuchliche Reihen (sog. prokatalektische Tetrapodien, d. i. solche, diein ihrem Inlaute, aber nicht im Ausgang katalcktisch sind), entstehen sollten.
2. Jambische Kompositionen.
a. Viertaktige. Hier finden wir katalektische, akatalektische, brachy-katalektische Formen, z. B. Es war ein Kind, das wollte nie § zur Kirchesich bequemen. (Goethe: Die wandelnde Glocke). Oder: Was hör' ich draußenvor dem Thor, j was auf der Brücke schallen? (Goethes Sänger). Oder: Lenorefuhr ums Morgenrot j empor aus schweren Träumen (Bürgers Lenore). Oder:Wie kommt's, daß du so traurig bist, § da Alles froh erscheint? (Goethes Trostin Thränen: ähnlich ist sein Fischer komponiert.)
d. Dreitaktige, z. B. Nur wer die Sehnsucht kennt, > weiß, was ichleide. (Goethes Mignon. Die 1. Reihe ist hier akat., die 2. ist katal.) Oder:Ich ging im Walde s so für mich hin. (Goethes Gefunden. 1. Reihe ist katal.,die 2. brachykatal.) Oder: Des Bruders Todschlag erhöht Nitvkris. (Platen:Schatz des Rhampsinit. 1. und 2. Reihe katal.)
c. Fünftaktige, z. B. Verfließet, vielgeliebte Lieder, § zum Meere derVergessenheit (Goethe, Am Flusse. 1. Reihe tat., die 2. brachykat.). Oder:-Entzweit mit einem Favoriten j flog einst Fortun der Weisheit zu (Schiller:Das Glück und die Weisheit. Vgl. das ähnlich komponierte: Mädchen ausder Fremde.) Die fünftaktigen Kompositionen kommen sehr häufig vor. Mankönnte jene Formen, bei welchen wie in den oben erwähnten Beispielen derVordersatz katalektisch und der Nachsatz brachykatalektisch ist — als brach li-la talek tische Fü» stakte bezeichnen. — Tikatalektische Fünftaktekönnte man sie nennen, wenn Vordersatz und Nachsatz katalektisch sind.Ist jedoch der Vordersatz brachykatalektisch und der Nachsatz katalektisch, somüßte man dies einen probrachykatalektischen Fünftakt nennen.Dagegen wäre es ein dibrachykatalektischer Fünftakt, wenn Vordersatz undNachsatz brachykatalektisch sind. Der Wechsel an Reihen ist so reizend, wie dieAsymmetrie in der Gothik.
ck. Sechstaktige. Beispiele hievon finden sich in Unzahl in unserenSonetten, Oktaven, Terzinen. (Vgl. 8 165. 166. 169.)
Beycr, Teutsche Poetik. I.
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