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8. Ächttaktige trochäische Verse (trochäische Achttakter).
Dieser Vers könnte als Zusammensetzung von zwei einanderfolgenden viertaktigen Trochäen angesehen werden, wenn nicht dieJncision und der Reim am Ende des achten Taktes ihm den Charakterdes Einheitlichen aufdrücken würden. Am Ende des vierten Takteshat er eine stehende Diärese.
Bei Anwendung des männlichen Reims ist der Vers um eine Silbe ver-kürzt, also katalektisch.
Ausnahmsweise kann bei allen Takten (nur nicht beim ersten und letzten)ein Daktylus für den Trochäus eingeschoben werden. Platcn und Rückert habenden achttaktigen Trochäus in ihren Dramen angewandt.
Anastasius Grün hat seine Spaziergänge eines Wiener Poeten in diesemVers geschrieben. Dingelstedt seine Spaziergänge eines Kasseler Poeten, Nr. 3ausgenommen. ^
In kleineren Dichtungen haben ihn gebraucht: Freiligrath (Gesicht desReisenden, Löwenritt): Geibel (Negerweib): Platen (Grab im Busento): RobertPrutz (Bretagne); Adolf Weiß (Aus dem Ursumps). — Goethes „Nachtgefühl"hat akatalektischc Reihen, ebenso das Kirchenlied „Jesus meine Zuversicht",endlich Anast. Grün „Sein Bild" und Wilh. Müllers „Griechenlands Hoffnung"(Brüder schaut nicht in die Ferne nach der Fremden Schutz hinaus). Inder Neuzeit hat den Vers Julius Grosse in seinen weitausgesponnenen esth-nischen Volksmärchen gebraucht: „Die Abenteuer des Kalewiden", sowie EmilRittershaus in „Sonst und Jetzt" rc.
a. Akatalektische trochäische Achttakter.
1. Oft erregt der Sturm die Harfe, wie das Rauschen in den Wipfeln,
Wenn die Windsbraut Mäste brechend wütet auf der Wellen Gipfeln;
Doch am linden Sommcrabend rührt ein sanfter West die Saiten,
Wenn er lispelnd mit den Erlen kost in lauen Maienzeiten,
Leise tönen dann die Klänge, wie der Abendfalter Schwirren,
Oder wie Gesumm der Bienen, oder Nachtigallengirren.
(Julius Grosse, Abenteuer des Kalewiden.)
2. Dichter, bleib bei deinen Blumen! Nicht an Thronen frech gemeistert! —Wenn dich mehr als Blumenkronen eines Fürsten Krön begeistert
Fcire, wie's so manch bescheidner, vaterländscher Sänger thut,
Hohe Fest- und Namenstage, huldigend mit Sangesglut!
(Anast. Grün, Antworten.)
ü. Katalektische trochäische Achttakter.
1. Dicht umwogt von Volkesmenge ragt ein lustig, farbig Zelt.
Ei, was doch die bunte Hülle wohl für einen Schatz enthält?
Birgt sie nicht die schönste Perle, Muscheln gleich, in schlichtem Schrein,
Hüllt sie nicht das schönste Antlitz, wie ein neidscher Schleier ein?
(Anast. Grün, Sein Bild.)