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Erster Band.
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IX.

Wir wissen nichts! Was kann uns Bürgschaftgeben? —

Denn endlos, wie des Meeres ewge WellenVergehn und stets von neuem wieder schwellen,Sehn wir Geschlecht sich aus Geschlecht erheben,

Und durch des Feuers Glut sehn wir entschwebenIm Dumps das Wasser zu des Fimmels Hell n —Doch düster kehrt's zurück in Sturzgesällen,

Und treibt aus Samenkörnern frisches pellen.

Und während sich die Pflanzen kraktig regen,Und duftig grünen nach des Himmels Segen,Bückt auch der Blitz umher mit Todessireichen.

Oft mahnt er mich an das gehostte Zeichen,Doch immer wieder kehrt das zage Schwanken —Und doch! — wir lassen nicht von dem Gedanken!

X.

Und doch! — Wir lassen nicht von dem Gedanken,Den uns ein guter Geist im Traum verliehen.Im Traum, der fast zur Wirilichkeit gediehen —Der uns nmgiebt mit duftig blühnden Ranken.

Und isi's ein Traum der Fantasie, der kranken,Ein Fiebertraum, — so laßt ihn sanft verglühen,Und laßt verglimmend seine Funken sprühen,Wenn wiederkehrt das zweifelnd zage Schwanken.

Denn in die Äsche fallen lose Funken

Und schlummern sankt und still, darin versunken,

Bis sie durch Leichten Hauch sich neu beleben.

Und senil die Nacht des Todes sich hernieder,So glühen sanft die Hoffnungsfunken wiederVon einem andern, einem schönern Leben.

XI.

Von einem andern, einem schönern Leben,

Da läßt es sich so schmeichelnd lieblich träumen,Wenn wir beim Wandern unter grünen BäumenUnS lagern, um den Gliedern Ruh zu geben.

Wir lassen unsre Blicke aufwärts schwebenUnd schaun durch grünes Laub zu blauen RäumenUnd glauben nichts im Leben zu versäumen.Wenn wir uns selbst hinauf zum Himmel heben.

Doch würd' es immer also uns ergehen,

So möchten wir es kaum einmal verstehen,

Wie uns ein schönres Leben könnte blühen.

So denkt die Jugend. — Ziommcn Alrersmühcn,«.v giebt man gern sich hin dem Traumgedanken —Und ift's ein Traum, so laßt ihn grünend ranken!

XII.

Und ist's ein Traum, so laßt ihn grünend ranken!Und störet jene nicht, die fest dran glauben,

Und wie man läßt dem Winzer seine Trauben,So laßt auch jenen ihre Traumgedanken.

Und wie sodann im Mondenlicht, im schwanken,Der Lieb' man ungestört in dunklen LaubenVergönnt ein gegenseitig-süß' Berauben,

So achtet auch des Glaubens heil'ge Schranken.

Der Spott bringt Groll, der Groll bringt Zornzusammen,

Und Glaubenszürnen lodert hell in Flammen;Die Weltgeschichte kann uns Zeugnis geben.

Heut ist es Zeit, die Geister zu versöhnen,Trum wollen wir den Geist des Hoffens krönen.Er soll in'S Dasein frische Blüten weben!

XIII.

Er soll in'S Dasein frische Blüten weben,

Der Geist des Hosfens einstgen Auferstehens,Der Geist des Hosfens freudgen Wiedersehens,Und soll den Lebensmut uns neu erheben.

Er soll uns starten zu erneutem Streben,

Die Stirn mit Flügeln leisen ZephvrwehensUns kühlend fächeln. Lraumhast unversehensMit Glorienschein bestrahlen unser Leben.

Wir wollen glauben an ein göttlich Walten,Das uns verklärt wie himmlische Gestalten,

Und daß der Mensch nicht in ein Nichts ver-schwindet,

Und daß ein Wahn uns kein Phantom verkündet,Und daß zur Wahrheit werden die Gedanken,Tre träumerisch und duftig uns umschwanken.

XIV.

Die träumerisch und duftig uns umschwanken,Die Bilder eines schönern WiederlcbenS,

Wir wollen glauben, daß sie nicht vergebensLreLS so beharrlich unsern Geist umranken;

Tie Bilder, welche noch die SterbenskrankenOft wunderbaren geistigen ErhebensUnd unerschrocknen freud'gen HimmelstrebenSVersicherten, eh in das Grab sie sanken

Sie ruhen wohl. die Schwestern und die Brüder!Und während wir noch schwanken hin und wieder.Sind sie am Ziel, dem letzten einzig klaren.

Wir folgen bald! In wen'gen Monden, JahrenRaunt man in s Ohr auch uns, den Totesbleichen:„Da liegen sie die kaum erstarrten Leichen!"

Lchlußsonett.

XV.

Da liegen sie die kaum erstarrten LeichenIm irischen Schmuck, dem letzten dieser Erde,Der Geist befreit von jeglicher Beschwerde,

Tie Friedensglorje im Gesicht dem bleichen.

So reich als arm. — wie hier sich alle gleichen!Im Schmuck verschieden, ähnlich in Gebärde,Gestorben sind sie, bis zum neuen „Werke"

Ein gütger Gott giebt das gehofste Zeichen.

Wir wissen nichts. — Was kann uns Bürgschaftgeben? —

Und doch! — Wir lasten nicht von dem Ge-danken

Von einem andern, einem schönern Leben.

Und ist'S ein Traum, so laßt ihn grünend ranken!Er wll in's Dasein frische Blüten weben.

Tie träumerisch und duftig uns umschwanken!